Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Vor einiger Zeit habe ich angefangen, in meinen Erzählungen eine alte Figur aus einem Comic aufleben zu lassen - und stelle fest, daß ich einen vollkommen neuen Charakter entworfen habe, der sich aber an das Original anlehnt. Ich würde gerne wissen, ob es möglich ist, einen "verschwundenen Charakter" wieder aufleben zu lassen. Muß ich mir bei dem Verlag den Namen erkaufen? Oder darf ich den Namen einfach weiter benutzen, vorausgesetzt ich spiele weiterhin nicht mit dem Gedanken, etwas zu veröffentlichen?

    Zunächst würde ich meinen, daß die Rechtslage so ist, daß Sie, solange Sie nichts veröffentlichen, machen dürfen, was Sie wollen. Auch ein Herumreichen solcher Geschichten im Freundeskreis gilt in dem Fall noch nicht als Veröffentlichung. In dem Moment aber, in dem Sie - und sei es unentgeltlich - eine Ihrer Geschichten mit diesem Phantas irgendwo abdrucken, bräuchten Sie dazu die schriftliche (!) Erlaubnis des Rechteinhabers, der meist mit dem Verlag identisch ist. Wie auch immer Sie die bekommen. Manchmal muß man dazu etwas zahlen, manchmal nicht, das ist Verhandlungssache.

    Aber ich möchte Ihnen den Rat geben, es doch einfach einmal zu probieren und der Figur - die ja, wie Sie sagen, mit dem ursprünglichen Charakter nur noch entfernte Ähnlichkeit hat - einfach einen neuen Namen zu geben. Ist ja mit Suchen und Ersetzen in heutigen Programmen kein Problem. Und dann schauen Sie mal, was passiert. Vielleicht entwickelt sich die Figur ja NOCH einmal ein Stück weiter, wird ganz die Ihre?! Schreiben Sie mal versuchsweise mit der umbenannten Figur. Mir ist es oft so gegangen, daß ich, wenn ich einer Figur einen anderen Namen gegeben habe, mich am Anfang schwertat damit, mich daran zu gewöhnen - aber es vergeht mit der Zeit, und nach einer Weile kommt einem der alte Name seltsam und fremd vor! Das ist die Magie des Namengebens.

    Abgesehen davon es ist ja nicht einzusehen, jemandem womöglich Geld zu zahlen nur für einen - nicht mal sonderlich phantasievollen - Namen, wenn man aus der Figur inzwischen schon was ganz eigenes gemacht hat und das übrige Drumrum gar nicht mehr benutzt.


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