Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Warum reden Sie den Leuten eigentlich immer zu, zu schreiben, selbst wenn man aus ihren bescheuert formulierten Fragen schon sehen kann, daß Schreiben einfach nicht ihr Ding sein KANN??

    Meine Überzeugung ist, daß Leute deswegen an falschen Träumen festhalten, weil sie aus irgendwelchen Gründen nie ausprobieren, wie es denn TATSÄCHLICH wäre, sie zu verwirklichen. Wenn man es nämlich TATSÄCHLICH probiert, dann merkt man sehr bald und sehr sicher, ob das Ding zu einem paßt oder nicht. Und der Witz ist, daß einem das vorher NIEMAND sagen kann: Wenn man zu jemandem, der davon träumt, sagen wir, Popsänger zu werden (sich aber keinen Millimeter darauf zubewegt), sagt "Junge, vergiß es, Deine Stimme klingt wie aus dem Lungensanatorium", dann weckt man nur einen Widerspruchsgeist, der ihn nur um so stärker an dem Traum festhalten läßt. Nein, was man zu ihm sagen muß, ist: "Probier's doch! Mach endlich ERNST!"

    Und man weiß nie, was wird. Bob Dylan's Stimme klingt ja auch nicht gerade hitverdächtig, nicht wahr? Jeder hat ihn ausgelacht, ihm abgeraten usw. - und ich wette, keiner von denen erinnert sich heute mehr daran, ihn ausgelacht und ihm abgeraten zu haben.

    Bei Möchtegernschriftstellern ist es praktisch immer so, daß sie nur so Filmbilder vom mondänen Schriftstellerleben im Kopf haben (mit Cocktailglas im Pool relaxen und ab und zu dicke Honorarschecks entgegennehmen, sowas in der Art), aber tatsächlich nicht ernsthaft arbeiten. Ich habe mal eine Anekdote gelesen (leider finde ich nicht mehr, wo), in der jemand beschreibt, daß er sich 30 Jahre lang gesagt hat, sein Traumberuf sei Schriftsteller und eines Tages würde er seinen großen Roman schreiben. Dann versetzte ihn eine überraschende Erbschaft in die Lage dazu, und er merkte, daß er es nicht erträgt, lange allein zu sein! Das hätte er wirklich schon 30 Jahre eher herausfinden können - wenn er es nicht beim Träumen belassen hätte!

    Ich selber hatte jahrelang den Traum, Unternehmer zu sein, eine Firma zu haben; ich habe es aber auch beim Träumen belassen. Glückliche Umstände haben es mir ermöglicht - und mir den Tritt in den Hintern verpaßt - es auszuprobieren: praktisch wußte ich aber schon 3 Wochen nachdem es losgegangen war, daß das nicht das Richtige ist. Ich brauchte dann nochmal zweieinhalb Jahre, um den Absprung zu schaffen, aber dafür bin ich nun geheilt von diesem Traum. Und das ist etwas, das mir kein noch so guter Ratschlag hätte verschaffen können. (Ich bedauere diese Eskapade außerdem nicht im mindesten. Man bedauert immer nur Sachen, die man NICHT gemacht hat, das erkannte schon Tolstoi ganz richtig.)

    Deswegen sage ich immer: Probier's doch.


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