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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Ein Problem quält mich zunehmend. Bei mir passen Schreiben und Reden nicht zusammen. Beim Schreiben formuliere ich genauer und nuancierter als beim Reden, bei dem ich aus Befangenheit und momentanem Unvermögen häufig auf Klischees zurückgreife. Das empfinde ich zunehmend als Makel. Zumal ich denke, dass jemand, der seine Texte ernst genommen haben möchte, auch im gesellschaftlichen und beruflichen Umfeld "wortgewaltig" auftreten müsste.
Dieses Problem braucht Sie nicht zu quälen, denn Sie befinden sich im Irrtum: Reden zu können und Schreiben zu können sind zwei ganz verschiedene Dinge, und keineswegs bedingt eines das andere. Ich kenne zahlreiche Autoren, die wortgewaltig schreiben können, im direkten Gespräch aber... nun ja, eigentlich beinahe Autisten sind. Ich habe im Gegenteil den Eindruck, daß viele Autoren nur deshalb schreiben, weil sie sich mündlich NICHT ausdrücken können.
Sie werden relativ wenige Menschen finden, die zugleich gut schreiben und gut erzählen können. (J.R.R. Tolkien war so ein Talent, heißt es.) Die meisten Menschen können entweder das eine oder das andere. Ein guter Bekannter von mir - wenn der aus dem Stegreif erzählt, Urlaubserlebnisse etwa oder auch nur skurrile Begebenheiten des Alltags, dann liegt man flach am Boden vor Lachen und meint nachher, man wäre dabeigewesen. Doch wehe, er schreibt etwas! Unerträglich.
Ich selbst komme einigermaßen zurecht als Redner, aber das kommt nicht vom Schreiben, sondern daher, daß ich lange Jahre als Dozent tätig war und also das REDEN geübt habe. Vor dieser Zeit war ich eher maulfaul, kurz angebunden und als Gesprächspartner ein Schlafmittel.
www.AndreasEschbach.com
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