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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Meine Idee ist es, eine Software zu entwickeln, mit dessen Hilfe man die Storyline einer Geschichte und die Geschichte selbst entwickeln kann. Offensichtlich existieren aber schon zahlreiche Produkte in dieser Richtung. Ich frage mich, ob die existierenden Produkte den tatsächlichen Bedarf abdecken oder ob es Sinn macht, vielleicht doch ein neues Produkt zu stricken.
Ich bin, was den Nutzen all dieser Programm anbelangt, sehr skeptisch. Man braucht, um eine Storyline zu entwickeln, im Prinzip nur ein Blatt Papier, einen Kugelschreiber und Hirnschmalz. Im nächsten Stadium benutzt man ein simples Textprogramm und Hirnschmalz. Man fängt mit einem einfachen Entwurf an, den man x-mal umschreibt. Der naheliegende Gedanke, dieses Umschreiben durch geeignete Software einzusparen, funktioniert in der Praxis nicht, weil es gerade das Umdenken, Neudenken, Neuschreiben ist, das wichtige, ja entscheidende Verbesserungen in den Entwurf einbringt. (Eine HIRNSCHMALZ.EXE wäre natürlich klasse, übersteigt allerdings, fürchte ich, die Möglichkeiten eines Computers :-D)
Die Software, die ich für wirklich nützlich halte, stelle ich auf meiner Homepage vor, alle anderen Programme kann man sich nach meinem Dafürhalten sparen.
Falls Sie mich allerdings fragen, was auf dem Markt FEHLT, dann lautet meine Einschätzung wie folgt:
- Worum ich die Autoren englischer Sprache aufrichtig beneide, ist das Programm "StyleWriter". Es ist ein Programm, das auf die Sprache selbst losgeht, den Stil analysiert und Verbesserungsvorschläge macht. Vergleichbares gibt es für die deutsche Sprache nicht, leider. Denn wenn man sich das, was deutsche Autoren jeden Levels so produzieren, anguckt, dann haben die meisten nicht wirklich ein Problem mit ihren Storylines - das kriegen die ganz gut hin. Aber praktisch jeder hat ein Problem mit der Sprache. Sprachliche Unzulänglichkeiten sind in 99,9% der Fälle der Grund, warum ein Manuskript abgelehnt wird.
Allerdings wäre ein "Stylewriter" für Deutsch noch anspruchsvoller, als es das englische Vorbild zweifellos ist. Ich weiß nicht, auf welchem Level Sie programmieren - heutzutage gilt ja das Zusammenklicken irgendwelcher Formulare in integrierten Entwicklungsumgebungen à la Visual Irgendwas auch schon als Programmieren -; ein tauglicher Stilprüfer wäre jedenfalls ein richtiges heavy duty Projekt.
- Ich persönlich vermisse ein Programm, mit dem man die Szenenfolge eines Romans entwickeln kann - ungefähr so wie in "StoryLines" - , diese Szenen aber dann in eine Zeitleiste einordnen kann. Sprich, daß ich jeder Szene zuordnen kann, "das dauert 30 Minuten und ereignet sich am Montag, dem 30. April 1995 um 11:15 Uhr". Ich spiele manchmal mit dem Gedanken, mir ein solches Tool selber zu machen, aber dazu müßte ich tiefer in die Windowsprogrammierung einsteigen, als ich es bis jetzt getan habe, denn das macht eigentlich nur grafisch Sinn und Nutzen. Ich stelle mir eine variable senkrechte Zeitleiste am linken Bildschirmrand vor, an der ich ein Rechteck (enthaltend den Text der Szene bzw. die kurze Überschrift/Zusammenfassung, etwas wie "Peter wartet auf Susi"; ferner evtl. farbig markiert als Kennzeichnung, daß die Szene zu einem bestimmten "Strang" der Geschichte gehört) auf und ab schieben und in seiner Größe verändern kann. Es müßten ferner mehrere Spalten möglich sein, für verschiedene Schauplätze, an denen sich u.U. gleichzeitig Dinge ereignen. Und eine Sicht wie in "Storylines" müßte es AUSSERDEM geben, da die Reihenfolge, in der eine Geschichte erzählt wird, nicht dieselbe sein muß wie die Reihenfolge, in der sich die Dinge EREIGNEN. Und es müßte die Möglichkeit geben, Szenen einzufügen, die gar nicht erzählt werden, weil sie nur Platzhalter sind ("Peter schläft") oder Hintergrundinformationen geben ("Die Gangster bereiten ihren Überfall vor").
- Ein kleines, aber ebenfalls nützliches Tool allgemeinerer Art wäre ein Notizkastenprogramm so ähnlich wie QuickPlot, TreePad, KeyNote und wie sie alle heißen, allerdings mit einem kleinen, wichtigen Unterschied: Daß es zwar links eine Liste oder einen Baum von Überschriften gibt, zu denen Notizeinträge gemacht werden können, daß es rechts aber ZWEI Textbereiche untereinander gibt, man also zwei dieser Notizfelder GLEICHZEITIG vor sich hätte. (Oder sogar mehrere, einstellbar, wenn wir schon dabei sind. :-D)
Warum wäre das nützlich? Nun, wenn man etwas wie einen Roman entwickelt, arbeitet man an vielen Punkten zugleich. Mal notiert man Szenen, mal notiert man Eigenschaften von Figuren, mal Gegebenheiten von Schauplätzen. Was die bisherigen Programm vermissen lassen, ist die Möglichkeit, sich z.B. ein Grobkonzept des ersten Kapitels auf den Schirm zu holen, um dann in einem anderen Textfenster z.B. einzelne Szenen zu entwickeln. Oder mir die Beschreibung einer Figur anzeigen lassen und gleichzeitig in einem anderen Textfeld einen Dialog konzipieren. Oder mir die Beschreibung eines Schauplatzes anzeigen lassen und in einem anderen Textfeld beschreiben, wie dort gekämpft wird. Ich kann in QuickPlot zwar etwas notieren, aber wenn ich etwas zu einem ANDEREN Ast des Baumes eintragen will, muß ich mir MERKEN, was da stand - ganz schlecht. Und ja, natürlich könnte man mit WORD und mehreren Dokumenten, die man auf dem Bildschirm anordnet, sowas Ähnliches machen - aber es ist zu umständlich, um nützlich zu sein.
Ach ja, und alles sollte jeweils auch gut mit Tastaturbefehlen steuerbar sein. Ich drücke meistens lieber Shift-Alt-F6 oder Alt-Ctrl-B, als gezwungen zu sein, die Finger von der Tastatur zu nehmen; und ich schätze, das geht allen Schriftstellern so.
www.AndreasEschbach.com
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