Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Können Sie sich vorstellen, ein gemeinsames Buchprojekt mit einem Autor anzugehen, der bisher nirgendwo literarisch in Erscheinung getreten ist? Es mangelt einzig und allein an der Zeit, da der "Möchtegernautor" in einem projektbezogenem zeitlichen Engpass steckt. Die nötigen finanziellen und marketingrelevanten Wege und Mittel zur erfolgreichen Platzierung des Titels in die Top Ten der deutschen Belletristik sind vorhanden.

    Dieser bemerkenswerte Vorschlag ist es wert, detailliert beantwortet zu werden.

    Können Sie sich vorstellen, ein gemeinsames Buchprojekt mit einem Autor anzugehen, der bisher nirgendwo literarisch in Erscheinung getreten ist?

    Schlicht: nein. Ich halte grundsätzlich nichts von gemeinsamen Buchprojekten, übrigens auch nicht mit erwiesenen Autoren. Das, was ich am Dasein des Schriftstellers am meisten schätze, ist, etwas zu haben, das ich ganz allein bewerkstelligen kann. Und auch an Ideen mangelt es mir nicht.

    Es mangelt einzig und allein an der Zeit, da der "Möchtegernautor" in einem projektbezogenem zeitlichen Engpass steckt.

    Seltsam. Warum ist in jedem derartigen Anschreiben dieser Passus enthalten - daß es dem Menschen mit der epochalen Idee einfach nur an der Zeit mangelt? Niemand sagt je, "ich kann's nicht." Überlegen Sie bitte mal, welch versteckte Beleidigung in diesem Satz steckt. Sagen Sie denn zu dem Piloten, der Sie von A nach B fliegt, "ich würde die Maschine selber fliegen, aber ich habe keine Zeit"? Sagen Sie dem Arzt, der Ihrem Kind den Blinddarm entfernen soll, "ich würd's selber machen, aber ich bin grade in einem zeitlichen Engpaß"? Nein. Aber jeder denkt, alles, was es braucht, um ein Buch zu schreiben, sei genug Zeit. Dabei könnte nichts falscher sein. Sonst hätte ich nicht meinen zweiten Roman schreiben können, während ich "nebenbei" eine Firma gegründet habe (was bekanntlich mit Arbeit von morgens 7 bis abends 23 Uhr verbunden ist). Sonst würde der Markt demnächst überschwemmt von tollen Romanen, jetzt, wo 4 Millionen arbeitslos sind, oder? Also, bitte, lügen Sie sich nicht in die Tasche.

    Die nötigen finanziellen und marketingrelevanten Wege und Mittel zur erfolgreichen Platzierung des Titels in die Top Ten der deutschen Belletristik sind vorhanden.

    Auch hier befinden Sie sich, mit Verlaub, im Irrtum. Meiner professionellen Einschätzung nach jedenfalls. Derartige Mittel und Wege werden gesucht, seit es Bestsellerlisten gibt, und bislang hat sie niemand gefunden. Sollte in Ihrem Fall der Durchbruch gelungen sein, dann halten Sie sich nicht mit dem Schreiben von Büchern auf, sondern beglücken Sie die auf diese Entdeckung brennenden Verlagskonzerne mit Ihrer Methode.


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