Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Hätten Sie eventuell Zeit/Lust/Moeglichkeit, mit mir ein Co-Projekt zu versuchen? Meine Stärke liegt im Ausarbeiten von Ideen, was das Schreiben selbst angeht, bin ich noch nicht so der flüssige Schreiber, so dass es wahrscheinlich noch eine ziemliche Weile dauern würde, würde ich es weiterhin im Alleingang versuchen.

    Wie Sie sich sicher schon gedacht haben, gibt es dazu eine Menge zu sagen:

    1. Kein Schriftsteller auf diesem Planeten müßte Not leiden, wenn er jedesmal fünf Mark bekäme, sobald ihm jemand einen solchen Vorschlag macht. Der Vorschlag "ich habe eine Idee, Sie schreiben das Buch daraus, und wir machen Halbe-Halbe" beruht auf der völlig irrigen Vorstellung, ein Schriftsteller sei immer auf der Suche nach guten Ideen. Dem ist nicht so. Ein Schriftsteller braucht vieles - mehr Geld, mehr Leser, mehr Verständnis, mehr ungestörte Zeit, und so weiter. Ungefähr das letzte, was er braucht, sind mehr Ideen. Wenn mir von heute an nichts mehr einfallen würde, hätte ich noch genug Ideen, um 300 Jahre lang Bücher zu schreiben. Jeder Schriftsteller, den ich kenne, hat mehr als genug Ideen für ein ganzes Leben. Es geht nicht darum, mehr Ideen zu haben, sondern darunter auszuwählen und sie dann zu realisieren.
    2. Ich glaube, daß es eher umgekehrt ist. Die Ideen sind da, schwirren herum und suchen sich jemanden, um verwirklicht zu werden. Und die Idee, die Sie in dem beigelegten Entwurf schildern - und die ich übrigens sehr originell und vielversprechend finde - ist zu Ihnen gekommen, nicht zu mir. Das verstehe ich als Aufforderung an Sie, sich nun aber hinzusetzen und was draus zu machen. Und keine faulen Tricks, um sich vor Ihrer Mission zu drücken! Sie wissen aus vielen - eigentlich allen - Märchen: sowas funktioniert nicht. Der Held muß dem Ruf folgen.
    3. Was Sie für Ihre Stärke halten, ist die Situation des Anfängers. Typischerweise sind Anfänger stärker im Entwickeln von Ideen und Handlungsfäden als im Schreiben selbst. Das ist so, weil sie mit dem Schreiben nicht so viel Erfahrung haben. Das ehernste Gesetz der Schriftstellerei besagt, daß man Tonnen von Papier vollschreiben muß, ehe man schreiben kann. So, Held, sieht also der Weg aus: viel schreiben. Schreibe 100.000 Wörter, und Du wirst nicht verhindern können, besser zu sein als vorher. (Manche Helden müssen Ställe ausmisten. Pah! Da schreib ich doch lieber.)
    4. Ihre Einschätzung, daß Sie noch nicht der flüssige Schreiber sind, teile ich, insbesondere in Bezug auf das Wort "noch". Das, was Sie mir geschickt haben, liest sich zwar nicht nobelpreisverdächtig (dazu ist es nicht langweilig genug), aber schon wesentlich besser als sehr, sehr vieles, was mir bereits an "les doch mal und sag mir wie's ist" zugemutet wurde, besser sogar als manches, was ich in gedruckter Form schon gelesen habe, und auf jeden Fall besser als meine ersten Texte! Also, ich denke, Sie können es. Alles, was Sie tun müssen, ist, es zu tun.
    5. Abgesehen davon bin ich kein großer Zusammenarbeiter. Um genau zu sein, ich versuche Co-Projekte zu vermeiden, egal auf welchem Feld. Allenfalls koche ich mit jemand zusammen, aber eigentlich auch nur mit meiner Frau. Zu zweit ein Buch schreiben: ein schrecklicher Gedanke.

    www.AndreasEschbach.com
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