<<Vorige Frage
Nächste Frage>>
Übersicht Gesamtübersicht
Home
News
Bücherbord
Pinwand
Schublade
Kalender
Tagebuch
Privates
Mail
|

ü b e r d a s S c h r e i b e n
Ich habe gelesen, Sie schreiben bereits seit Ihrem zwölften Lebensjahr? War es schon immer Ihr erklärtes Ziel, Schriftsteller zu sein?
Es war schon immer mein Ziel, ja, aber ich habe lange gebraucht, um mir das eingestehen zu können. Ich konnte mir lange nicht vorstellen, daß jemand nicht Schriftsteller werden wollen könnte, und habe jahrelang nach anderen, weniger "überlaufenen" Lebenszielen gesucht. Aber natürlich nicht gefunden.
Erst seit ich es nun ernsthaft betreibe, merke ich, daß ich viel mehr Konkurrenz gesehen habe, als tatsächlich da ist. Ich habe zur Kenntnis genommen, daß es Menschen gibt, für die es eine Strafe wäre, ein Buch schreiben zu müssen, auch wenn ich das emotional nicht hundertprozentig nachvollziehen kann. Ich glaube auch, daß Menschen, die Triathlon machen, das nicht tun, weil sie sich nicht trauen, Schriftsteller werden zu wollen. Tatsächlich denke ich, daß der Haufen der Schriftsteller eher relativ klein ist. Es gibt natürlich viele Leute, die es sich nett vorstellen, Schriftsteller zu sein - aber das ist dann eher so, wie wenn unsereins Boris Becker in Wimbledon sieht und denkt, es wäre nett, Tennisprofi zu sein, all der Applaus, diese hübschen Pokale, viel Lob und Ehr und ein Haufen Geld... Aber das Durchhaltevermögen und Interesse, dafür jahrein, jahraus acht Stunden am Tag zu trainieren, Millionen von Bällen zu schlagen, wieder und wieder, sich die Kondition für fünf Stunden Kampf in praller australischer Sonne anzutrainieren - das ist es, was Berufung trennt von der Vorstellung, "es wäre ganz nett". Die Vorstellung "es wäre ganz nett" möchte die Kirschen vom Kuchen essen, ihn aber nicht backen.
www.AndreasEschbach.com
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung.
|