Ich hatte eine genaue Vorstellung vom Umfang. Wobei ich dazu sagen muß, daß ich schreibe, seit ich 12 bin (meine Mutter behauptet, seit ich das ABC kann), und das war natürlich nicht mein erster Roman. Sondern der erste, den ich schrieb in der Absicht, ihn zu veröffentlichen. Ich war mir nicht sicher, ob ich einen Verlag finden würde, aber ich war mir sicher, zu wissen, wie man einen Roman schreibt.
Und ich denke, man MUSS eine genaue Vorstellung vom Umfang haben, wie man auch eine genaue Vorstellung vom Inhalt haben muß.
Das mit den 350 Seiten Maximum stimmt wahrscheinlich. Hardcover unbekannter Autoren sind unglaublich schwer zu verkaufen. Man kann es sich einfach so vorstellen: für ein normales Hardcoverbuch in normaler Auflage (um die 4.000 Stück) inkl. Werbung, Vertrieb usw. muß ein Verlag rund 50.000,- DM investieren. Plus/minus. Vom Ladenpreis gehen 7,5% Mehrwertsteuer ab, vom Rest bleiben bis zu 40% beim Buchhändler, der Autor will auch noch was - kurzum, die Sache fängt erst an, sich zu rentieren, wenn die erste Auflage schon fast verkauft ist.
Es kann nicht schaden, sich das klarzumachen, wenn man einen Absagebrief kriegt: Man hat einen Verlag, der einen nicht kennt, gebeten, für das beigelegte Manuskript fünfzigtausend Mark auszugeben. Kaum zu verdenken, daß da ein gewisses Grundzögern herrscht. Es ist bestimmt nicht persönlich gemeint. (Schade, daß ich mir das damals noch nicht klarmachen konnte. Ich hab's noch persönlich genommen. Vielleicht hilft es jemand anderen, den Kopf nicht hängen zu lassen.)
Was den Umfang anbelangte, hat sich dann bei den "Haarteppichknüpfern" etwas Kurioses zugetragen: Meine Lektorin meinte, normalerweise würde sie aus jedem Manuskript die Hälfte streichen, und sie hätte nie gedacht, daß sie das einmal zu jemandem sagen würde - aber sie hätte gern, daß ich NOCH MEHR dazu schreibe. Den Umfang um 30% erweitere!
Das hab' ich auch gemacht. Generell ist es aber leichter, einen Text zu kürzen, als ihn zu erweitern.
Aber kurzum: 300 Seiten sind ein guter Umfang für einen Roman, nicht zu kurz, nicht zu lang, und noch problemlos mit der Post zu verschicken (man stelle sich Stephen King's THE STAND als Manuskript vor - ein BERG von Papier!)