Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
Nächste Frage>>

Übersicht
Gesamtübersicht


Home
News
Bücherbord
Pinwand
Schublade
Kalender
Tagebuch
Privates Mail

Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Sie schreiben: "Ich glaube, daß es kein Zufall ist, daß einem zum Thema ´schriftstellernder Literaturwissenschaftler´ keine Namen einfallen wollen." Also mir fallen zwei ein, recht bedeutende sogar: Umberto Eco und J.M. Coetzee. Letzterer jüngst auch noch mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Na gut, da legt man wohl nicht nur literarische Maßstäbe sondern wohl auch politische an, aber immerhin. Ich denke schon, dass man Literaturwissenschaften studieren/unterrichten und gleichzeitig gut schreiben kann; man darf sich nur nicht "erdrücken" lassen und sehr bedeutende Texte zu ernst nehmen, denn häufig sind sie das gar nicht...

    Das klingt jetzt ein bißchen so, als studierten oder unterrichteten Sie Literaturwissenschaften und sorgten sich, ob sich das negativ auf Ihr eigenes Schreiben auswirken könnte. Falls Sie den Spagat schaffen, gut für Sie. Aber die meisten schaffen ihn nicht.

    Für mich sind Beispiele wie Eco (der eigentlich Semiotiker ist, was ein bißchen was anderes beinhaltet) und Coetzee (über den ich nichts weiß) nur Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Man müßte all die anderen dagegenhalten, deren Schreiben im Lauf ihres literaturwissenschaftlichen Studiums immer fader, dröger, verkopfter, unlebendiger wird. Ich kenne aus eigener Anschauung wenigstens ein Dutzend solcher Leute, um einige davon tut es mir wirklich leid, und deshalb bleibe ich dabei: Sich die rechte Hand abzuhacken ist ein weitaus geringeres Handicap auf dem Weg eines Schriftstellers als ein literaturwissenschaftliches Studium anzufangen.


    www.AndreasEschbach.com
    Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung.