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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Lassen Sie auch persönlich Erlebtes in Ihre Geschichten einfließen? Ich schreibe gerne Kurzgeschichten und habe bemerkt, dass es bei den Lesern sehr gut ankommt, wenn man etwas schreibt, womit man sich identifizieren kann. Im Anhang schicke ich ihnen eine meiner Kurzgeschichten mit, die mir sehr am Herzen liegt. Sie ist tatsächlich passiert und hat deshalb einen sehr persönlichen Wert für mich.
Natürlich fließt persönlich Erlebtes in meine Geschichten ein, das ist bei jedem Autor so. Allerdings ist das eher in dem Sinn zu verstehen, daß man z.B. nicht überzeugend schildern kann, wie jemand eifersüchtig ist, wenn man es selber nie war. Oder, eine Szene spielt in einer heißen, ausgestorben daliegenden Stadt: da mag es hilfreich sein, wenn man mal im August in Spanien eine verunglückte Stadtbesichtigung bei brüllender Hitze erlebt hat und sich erinnern kann, wie das war. Diese Art von persönlichem Erleben befähigt einen, mit den nötigen sinnlichen Details usw. zu schreiben, was im allgemeinen dazu beiträgt, daß eine Schilderung eindrücklich wird.
Daß etwas, das man schildert, sich so tatsächlich ereignet hat, ist dagegen kein Wert an sich. Es ist für eine Geschichte sogar, möchte ich sagen, belanglos. Denn eine Geschichte lebt davon, auf SYMBOLISCHER Ebene bedeutsam zu sein, und das sind reale Begebenheiten selten. Oder, anders ausgedrückt: Das Leben kann sich alles erlauben, ein Schriftsteller dagegen nicht.
Natürlich gibt es auch das Gebiet des Dokumentarischen, des Journalismus, des Tagebuchs usw., wo es darum geht, die Wirklichkeit abzubilden. Aber das ist etwas anderes. Der Schriftsteller im engeren Sinne ist meiner Auffassung nach geradezu verpflichtet, zu erfinden und bei der Wirklichkeit nur die Anleihen zu machen, die nötig sind, um das, was er erfunden hat, so wirken zu lassen, als sei es eben NICHT erfunden.
www.AndreasEschbach.com
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