Gestatten Sie mir die Frage, warum Sie glauben, daß Ihre Autobiographie andere Leute interessieren könnte?
Es gibt einen Satz eines amerikanischen Autors, der sagt: "Jeder trägt eine Geschichte in sich, die niemanden außer ihm selbst interessiert - seine eigene." Wenn man mit Lektoren über unverlangt eingesandte Manuskripte redet, erzählen sie einem unweigerlich, wieviel Tonnen Autobiographien von Oberlehrern oder Weltkriegsteilnehmern sie schon in Rücksendecouverts tüten mußten.
Sprich, man muß schon etwas wirklich Außergewöhnliches erlebt haben, damit ein Verlag sich für eine Autobiographie interessiert. Oder, anders herum: Vermeiden Sie es bei der Verlagssuche nach Möglichkeit, Ihr Werk als Autobiographie anzubieten - das ist ein Anti-Verkaufs-Argument. Nennen Sie es "die Geschichte einer Frau, die drei Monate in Geiselhaft überlebte" oder "eine Liebesgeschichte, die exemplarisch ist für das Verhältnis der Geschlechter im 21. Jahrhundert" oder sonstwie - aber nicht "meine Autobiographie". Dieses Wort läßt die Hand des prüfenden Verlagsmitarbeiters quasi automatisch nach dem Ablehnungsformschreiben zucken.