Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Ist der Markt für Deutsche SF-Autoren wirklich so schlecht wie behauptet wird oder liegt es eher an der Qualität der einheimischen Schriftsteller, dass so wenig deutsche SF veröffentlicht wird? Immerhin gibt es in letzter Zeit ja einige SF-Autoren (Çakan, Marrak, Eschbach;-), usw..), die es zu etwas gebracht haben.

    Zu dieser Frage könnte jemand wie Wolfgang Jeschke oder Sascha Mamczak sicher mehr sagen. Aus meinen Gesprächen mit den beiden höre ich heraus, daß zumindest zur Zeit der Markt für SF generell schlecht ist, egal ob von deutschen oder ausländischen Autoren. Daß so wenig SF von deutschen Autoren veröffentlicht wird, liegt einerseits daran, daß viele altgediente amerikanische SF-Autoren zum Beispiel eine treue Fangemeinde haben, sprich, daß man mit sicheren Absätzen rechnen kann, während ein neuer deutscher SF-Autor eher als verlegerisches Risiko einzustufen ist. Was wiederum wohl damit zusammenhängt, daß in der Wahrnehmung des Publikums heute deutsche SF-Romane meistens nicht mit der internationalen Konkurrenz mithalten können, was Stil, Sprache und allgemein Handwerkliches anbelangt. Zumindest schließe ich das daraus, daß viel von dem Lob, das ich für meine eigenen SF-Romane geerntet habe, so formuliert wurde: "Braucht keinen Vergleich mit amerikanischen Autoren zu scheuen!" Mit anderen Worten, ich wurde als Ausnahmeerscheinung betrachtet, während die amerikanische SF nach wie vor das Maß aller Dinge ist.

    Damit sich das ändert, braucht es viele gute deutsche SF-Autoren. Da ist in letzter Zeit zum Glück einiges in Bewegung gekommen. Leider ist bei vielen der guten neuen Autoren (Slawig etwa) abzusehen, daß sie ihren nächsten Roman, wenn überhaupt, erst in Jahren vorlegen werden. Wobei sicher auch eine Rolle spielt, daß man von SF praktisch nicht leben kann in Deutschland. (Perry Rhodan einmal ausgenommen.) Çakan und Marrak sind tatsächlich die einzigen Autoren, die mir spontan einfallen, wenn ich mich frage, wer denn eigentlich das Schreiben im SF-Bereich mit der nötigen Energie betreibt, und die werden ja auch veröffentlicht.

    Grundsätzlich ist das Dasein als Schriftsteller immer schwierig, aus den verschiedensten Gründen, aber Tatsache ist dennoch, daß die Chancen für deutsche Autoren generell nie besser waren als heute. Das verdanken wir vor allem den immer horrender werdenden Lizenzkosten für ausländische, v.a. amerikanische Werke, die die Verlage hierzulande händeringend nach Nachwuchs suchen läßt.

    Interessant ist auch, sich die verschiedenen europäischen Länder anzuschauen. In Schweden gibt es z.B. überhaupt keinen Verlag, der SF publiziert, und es gibt auch keinen einzigen schwedischen SF-Autor. Ähnliches gilt für die Schweiz. In beiden Ländern liest die kleine SF-Leserschaft ausländische Bücher (in Schweden v.a. englische). In Frankreich dagegen gibt es, ich weiß nicht, mindestens fünfzig SF-Autoren, mehr als in Deutschland jedenfalls, und von denen können etliche nicht nur vom Schreiben leben, es herrscht auch ein derartiges Interesse an SF, daß zunehmend SF-Romane aus eher unüblichen Sprachen wie Deutsch und Italienisch auf Französisch erscheinen. Ich glaube, daß der Zusammenhang genau andersherum ist als man immer denkt: es sind gute Autoren, die Leserschaft schaffen, nicht umgekehrt. Und auf keinen Fall ist es erstrebenswert, der einzige Autor eines Genres zu sein!


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