Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Ich bekam das Feedback von einer (großen) Agentur, der Leser würde sich nicht für mein armseliges Autorenleben interessieren, obwohl es sich um eine fiktive Story gehandelt hat. Ist es denn grundsätzlich so, dass ein unbekannter Autor, der in der Ich-Form schreibt, immer gleich mit seinem Text identifiziert wird?

    Nein. Der Text muß dazu einladen. Wenn ein 24jähriger, schwuler Autor über die Liebesabenteuer eines 24jährigen, schwulen Autors schreibt, ist das zum Beispiel eine Einladung. Schreibt besagter Autor in der Ich-Form über die Erlebnisse einer vierzigjährigen Gefängnisaufseherin, wird kein Mensch auf die Idee kommen, ihn damit zu identifizieren.

    Autoren sollten nach Möglichkeit sowieso nicht über das Autorenleben schreiben. Das ergibt in 99% der Fälle unlesbares Zeug.

    Besagtes Feedback dürfte eher ein Hinweis sein, daß folgendes Gegenargument gegen die Ich-Form zutrifft: daß in der Ich-Form zu schreiben die bei Erstlingsautoren ohnehin große Gefahr verstärkt, daß nicht ein Roman draus wird, sondern eine Art Tagebuch, das nur der Autor verstehen kann. Wenn Sie in der Ich-Form schreiben UND über das Dasein eines Autors, dann gerät Ihnen der Text vielleicht einfach zu privat.


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