Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Ich gehöre zu den jungen Autoren, die verzweifelt versuchen, veröffentlicht zu werden. Das Problem besteht darin, dass ich von der Agentur, eine große in Berlin, gefragt wurde, ob ich schon einmal veröffentlicht hätte. Ich sagte nein (Kommentar "... das ist sehr schlecht...") und bekam postwendend nach 2 Wochen mein Manuskript zurück mit einer allgemeinen Aussage.Nun bin ich demotiviert, weil schon die Agenturen keine Jungautoren mehr fördern wollen. Dabei ist das Thema aktuell und gut aufgegriffen wie ich meine. Okay, es war nur eine Ablehnung aber was mache ich, wenn keine Agentur mich unter Vertrag nehmen will, da brauch ich doch gar nicht erst bei den Verlagen anfangen?

    Das stimmt so nicht. Generell ist es schwieriger, von einer Agentur unter Vertrag genommen zu werden als von einem Verlag.

    Agenturen interessieren sich grundsätzlich ohnehin nur für Autoren, die eine gewisse Produktivität erahnen lassen - mindestens alle 2 Jahre ein neues Buch, grob gesagt.

    Was Sie tun KÖNNEN, ist folgendes:

    1. Versuchen Sie doch tatsächlich, etwas zu veröffentlichen, eine Kurzgeschichte, eine kleine Fabel, und wenn es nur für umsonst in einem Literaturblatt ist. Nehmen Sie an Literaturwettbewerben teil. Abgesehen davon, daß es Ihre Vita aufbessert ("Erste Kurzgeschichtenveröffentlichungen im Magazin XY"), ist es eine interessante und lehrreiche Erfahrung.
    2. Sie können unabhängig davon an Verlage herantreten. Die ideale Situation ist, daß sich ein Verlag für Ihr Buch interessiert - dann sollten Sie sich an eine Agentur wenden, von der Sie viel Gutes gehört haben, und fragen, ob man Sie vertreten möchte! Da sagt dann keine Agentur mehr Nein.
    3. Sie können es bei anderen Agenturen versuchen. Die Geschmäcker sind verschieden, die Geschäftsfelder auch, und es kann eine Weile dauern, bis man in den richtigen Händen ist.

    Was Sie tun SOLLTEN, ist:

    Vergessen, daß irgendjemand "Jungautoren fördern sollte". Auf der Ebene der Agenturen und Verlage ist das Bücherschreiben knallhartes Business, wo nur zählt, ob das, was Sie machen, verkäuflich ist. Das ist es, wenn Sie so schreiben, daß Sie Ihre Leser erreichen, zum Träumen bringen, begeistern. Jedem in diesem Spiel ist es völlig egal, ob Sie jung oder alt, Mann oder Frau, erfahren oder Anfänger sind - es zählen nur die Worte auf dem Papier. Ob die Magie haben oder nicht. Konzentrieren Sie sich darauf. Wenn das, was Sie erzählen, Glanz hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der jemandem in dieser leider ziemlich vielbeschäftigten Welt ins Auge sticht. Und dann geht es los.

    Die Einstellung "jemand sollte Jungautoren fördern" bettelt um Almosen. Das ist aber nicht, was Sie wollen. Sie wollen, daß man Sie schätzt um dessen willen, was Sie schreiben. (Und anbei bemerkt: Wenn die Bremse Ihres Autos komische Aussetzer hat und Sie in die Werkstatt fahren, dann ist Ihnen auch egal, ob der Mechaniker jung oder alt ist, und ganz bestimmt wollen Sie keinen "Jungmechaniker fördern" - Sie wollen, daß Ihre Bremse ordentlich und zuverlässig repariert wird. Oder?)


    www.AndreasEschbach.com
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