Also, Zensur ist das nicht, wenn ein Verlag sagt, so drucken wir das nicht. Dieses Recht hat jemand, der einen Haufen Geld und seinen guten Ruf in die Waagschale wirft, auszuwählen, was für Bücher er drucken will und was nicht. Zensur wäre es nur, wenn es von staatlicher Seite angeordnet würde. Das gibt es in Deutschland nicht.
Kann man bildhaft schockierend schreiben, wenn man es als nötig empfindet? Sicher. Ich persönlich bin allerdings kein Freund davon und kenne auch nur wenige Fälle, in denen ich es tatsächlich für nötig empfinde. Den meisten expliziten Gewalt- oder Sexdarstellungen in zeitgenössischen Romanen meine ich anzumerken, daß der Autor sie deshalb als nötig empfindet, weil er merkt, daß der Spannungsbogen seiner Geschichte allein nicht ausreicht, das Adrenalin beim Leser wachzukitzeln. Also greift man halt zum Schockeffekt. Aber spannend wird es davon auch nicht.
Beispiele: Wenn man eine Biographie Joseph Mengeles schriebe, wäre es ein Versäumnis, seine Menschenversuche im KZ nicht detailliert zu beschreiben, was nicht machbar sein dürfte, ohne zu schockieren. Aber in den meisten Thrillern und Krimis würde es völlig ausreichen, daß jemand getötet wird - daß er gehäutet, gevierteilt oder dergleichen wird, ist in fast allen Fällen völlig überflüssig. Oder wenn zwei miteinander ins Bett gehen, ist es in den meisten Fällen witzlos, nun den Geschlechtsakt in pornographischen Details zu schildern, welcher Körperteil was macht usw.