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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Ein großer Verlag will meinen ersten Roman veröffentlichen, aber bei meinem Pech nicht einfach so, ich solle ihn doch bitte umschreiben, weil es für einen Briefroman zur Zeit keinen Markt gibt. Ich würde es gerne tun, aber für das Umschreiben wollen die keinen Vorschuss zahlen, weil sie nicht wissen können ob mir das gelingt, andererseits, ich muß meine Miete zahlen! Können Sie nicht zu Ihrem Verlag oder Verlagslektor gehen und die überzeugen, dass es zur Zeit einen riesigen Markt für Briefromane gibt?
Hmm, ich fürchte, das kann ich nicht, weil ich zufällig die Ansicht des erstgenannten Verlags teile, daß ein Briefroman heute ein tot geborenes Kind ist.
Nachtrag:
Wieder einmal sehen wir, daß man als Autor alles machen darf, wenn ein gutes Buch dabei herauskommt. Unlängst habe ich "Für immer vielleicht" von Christine Ahearn gelesen. Ein moderner Briefroman (d.h. eigentlich ein Brief + Fax + Anrufbeantworter + Email + Chatroom + was weiß ich alles - Roman) und - ein Bestseller!
Ich muß Ihnen sagen, ich an Ihrer Stelle würde den Roman umschreiben. Die alte Fassung behalten, klar, aus literaturhistorischen Gründen, aber ich würde... ach was, ich hätte mich überhaupt nicht damit aufgehalten, irgendwelche Autoren anzumailen, ich wäre schon halb durch mit dem Umschreiben, hätte rotgeränderte Augen und nix mehr zu essen im Kühlschrank und wäre müde wie ein Hund, weil ich bis in die Puppen schreibe, aber ich würde meinen persönlichen Schreibrekord brechen. Wenn mir damals, als ich mit meinem ersten Roman Klinkenputzen gegangen bin, ein Verlag so ein Angebot gemacht hätte? You bet. Erst recht, wenn ich damals meine Miete nicht hätte zahlen können.
www.AndreasEschbach.com
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