Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Ich habe, nachdem ich in den Lektoraten angerufen hatte (und meistens nicht über die Sekretätin hinaus kam), eine Synopsis und 50 Seiten Manuskriptauszug an diverse Verlage geschickt. Ein seriöser Verlag hat mir tatsächlich eine Antwort geschickt, verbunden mit der Bitte das gesamte Manuskript einzureichen, weil man es "eingehender prüfen" wollte. Nun erreicht mich neuerdings von diesem Verlage ein Absage (Standardfloskeln), die mich doch etwas irritiert. Dort steht nämlich u.a.: "Leider hat unsere Prüfung ergeben, dass sich Ihr Vorhaben nicht in unsere laufende Programmplanung und in die Felder, auf denen wir verlegerisch tätig sind, einfügen lässt." Mal abgesehen davon, dass dieser Verlag Bücher zu "meinem Thema" verlegt, ist das doch wirklich ziemlich arrogant, einen Schreiber, der sich die ganze Mühe machte mit der angeforderter Manuskripteinsendung auf diese Art und Weise abzuspeisen. Ist das wirklich "Standardstil" der Verlage?

    Sie hegen da etwas idealistische Vorstellungen davon, wie die Beziehungen zwischen Autor und Verlag beschaffen sein sollten. Es handelt sich um eine Geschäftsbeziehung, in der der Autor Lieferant und der Verlag Kunde ist, und deswegen gelten im großen und ganzen alle Regeln für Kunden-Lieferanten-Beziehungen genau so, wie sie, sagen wir, zwischen dem Großversandhaus Quelle und einem Hersteller von Bettbezügen herrschen. Der Hersteller der Bettbezüge versucht, mit dem Versandhaus ins Geschäft zu kommen, weil er dann erst mal eine Weile ausgesorgt hat, aber natürlich gibt es viele Hersteller von Bettbezügen, und das Versandhaus kann sich durchaus wählerisch zeigen, wessen Produkte es schließlich vertreibt. Angebot und Nachfrage eben, die regeln das. Deswegen muß der Vertrieb des besagten Herstellers von Bettbezügen sich die Hacken ablaufen und so manche Kröte schlucken.

    Gäbe es nur einen einzigen Hersteller von Bettbezügen, sähe es natürlich anders aus: Dann würden die verschiedenen Versandhäuser gegeneinander konkurrieren! Übertragen auf die Welt der Bücher ist das die Situation, in der sich etwa ein Stephen King oder eine Danielle Steel befinden. Entsprechend anders sieht das für derlei Autoren aus.

    Paradoxerweise braucht ein Autor aber die Hilfe eines Verlags, um den Status zu erreichen, nicht mehr von einem Verlag abhängig zu sein. Sprich: Man kann nicht als Bestsellerautor anfangen. Das ist nun einmal so.

    Betrachten Sie alle diese "Mühen" nicht als Mühen, sondern als Investitionen. In jeder Branche ist es so, daß man viele Angebote verschicken muß, ehe man einen Auftrag bekommt, und Angebote zu erstellen für, sagen wir, den Ausbau einer Großküche im Altersheim, ohne am Ende den Zuschlag zu erhalten, ist eine noch weit aufwendigere Sache, die ein Jungarchitekt auch nie bezahlt bekommt. Da ist das Eintüten einer Leseprobe ein Klacks dagegen.

    Daß der Verlag Bücher zu ihrem Thema verlegt, kann je nach Situation ein Vorteil oder ein Hindernis sein: Es kommt nicht selten vor, daß man einen Buchvorschlag vorlegt, der einem anderen Projekt, das der Verlag schon auf der Pfanne hat, zu sehr ähnelt. Ein Verlag kann es sich nicht erlauben, kurz hintereinander z.B. zwei Romane herauszubringen, die fast dieselbe Geschichte erzählen.

    Mein Rat ist: Drehen Sie in Bezug auf die Verlagssuche den Emotionsregler so weit runter, wie es geht. Das ist nun mal eine weitgehend frustrierende Phase, und man kann sich nur damit trösten, daß es jedem anderen Autor, der heute Rang und Namen hat, anfangs genauso ging, manchmal noch viel schlimmer. Das Beste, was man tun kann, ist, in dieser Zeit bereits einen neuen Roman anzufangen. Vielleicht einen, in dem man alle Wut und allen Ärger so richtig rauslassen kann. (Was glauben Sie, warum es in "Solarstation", meinem zweiten Roman, so blutrünstig zugeht? :-D) Ein neues Romanprojekt - selbst, wenn später nichts draus werden sollte - bindet die emotionale Energie und hilft einem, die Verlagssuche geschäftsmäßiger zu handhaben.


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