Zum Thema Leseprobe hier meine in langen Jahren gereifte Überzeugungen:
Erstens - selbstverständlich muß man eine beilegen; nichts spricht eine deutlichere Sprache als eine Kostprobe. Ich hätte nie im Leben ein Buch veröffentlicht, wenn ich nur Exposés vorgelegt hätte, denn ich bin ein lausiger Exposéschreiber. (Und bei einem begnadeten Exposéschreiber mag es umgekehrt sein! Mag sich der Lektor zumindest sagen.)
Zweitens - es gibt nur eine Stelle im Buch, an der man eine Leseprobe entnehmen darf: den ANFANG. "Das erste Kapitel verkauft das Buch, das letzte Kapitel das nächste." Der Anfang ist es, der den Leser in seinen Bann ziehen soll, der den Ton für die ganze Erzählung setzt, den Schauplatz eröffnet, die Figuren einführt, das Tempo vorgibt usw.
Drittens - sollte nun ein Einwand kommen wie "ja, sicher, aber bei MEINEM Roman geht es erst in Kapitel 4 so richtig los, das davor ist nur eine notwendige Erklärung, da passiert noch nichts usw. usf.", dann ist die Schlußfolgerung knallhart: Kapitel 4 muß an den Anfang. Ohne wenn und aber. Gerade bei einem Erstling muß der Anfang ziehen, sonst wird nie jemand bis zu den "guten Stellen" vorstoßen. (Fast immer kann man die angeblich notwendigen Anfänge schlicht streichen. Die eine oder andere Information nebenbei nachreichen. IN MEDIAS RES! Leser verkraften mehr Unklarheiten, als man ihnen zutraut - aber weniger Langeweile, als man ihnen meist zumutet!)
Viertens - wo soll die Leseprobe enden? Ganz klar: an der spannendsten Stelle, die sich innerhalb der ersten, sagen wir, 50-80 Seiten findet. Der Leser soll die Leseprobe aus der Hand legen und danach GIEREN, weiterzulesen!