Das ist in dem Fall eine erfreuliche Haltung, denn grundsätzlich gilt: Eine Geschichte muß INTERESSANT sein - ob sie WAHR ist, ist völlig unerheblich.
Der amerikanische Regisseur J. Michael Straczynski drückt es drastischer aus: "Jeder trägt eine Geschichte in sich, die keinen Menschen interessiert - und zwar seine eigene."
So drastisch würde ich das natürlich NIE ausdrücken ;-)
Aber stellen Sie sich doch einmal die Frage, was an dieser Ihrer Geschichte denn für ANDERE interessant ist?
Wohlgemerkt: Man kann auch aus einer wahren Geschichte einen guten Roman machen. Viele große Schriftsteller haben das getan. Aber für einen Anfänger (es klingt für mich so, daß das für Sie zutrifft) ist gerade bei einer wahren und zumal womöglich selbst erlittenen Geschichte die Gefahr übermächtig, die Distanz zu verlieren und im Prinzip ein Tagebuch zu schreiben, nicht einen Roman, mit dem andere etwas anfangen können. Daß es, mit einem Wort, zu PRIVAT bleibt.
Darum geht es: Hat das, was erzählt wird, eine Bedeutung über sich selbst hinaus? Was ist das Thema? Heldenmut? Bewährungsprobe einer großen Liebe? Scheitern einer Liebe? Wandlung durch Todeserfahrung? Mißstände im Gesundheitswesen? Wenn das nicht da ist, nur das, was halt passiert ist, dann ist es zu wenig. Solche Dinge, verzeihen Sie, passieren jeden Tag.
Die poetische Wahrheit zählt in Romanen, nicht die faktische. Warum? Weil sich das Leben Sachen erlauben kann, die man einem Schriftsteller nicht durchgehen läßt.