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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Im Deutschunterricht haben wir uns über eine Zeit hinweg mit Kurzgeschichten
befasst. In dieser Zeit habe ich, aus Freude am Schreiben, selber eine Kurzgeschichte
verfasst. Aus dieser anfänglichen Kurzgeschichte ist dann etwas mehr geworden.
Der Umfang beträgt ungefähr 70 Seiten. Ich habe gelesen, dass die Chancen für die Veröffentlichung
einer Kurzgeschichte sehr klein sind. Aber für einen Roman ist mein Manuskript
zu klein. Lohnt es sich überhaupt, diese Geschichte einem Verlag
zu schicken, oder ist dieses Werk aufgrund seiner Länge schon von vornherein
zum Scheitern verdammt?
Es ist in der Tat eine schwierige Länge. Zu lang für die meisten Anthologien, zu kurz für einen Roman.
Den Text veröffentlichen zu wollen ist aber vor allem relativ aussichtslos aufgrund der Tatsache, daß es das Erste ist, was Sie geschrieben haben. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber falls Sie nicht gerade die Wiedergeburt von Thomas Mann oder Goethe sind, ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß das erste Werk aus Ihrer Feder bereits für eine Veröffentlichung geeignet ist. (Ich bezweifle sogar, daß die ersten Texte der beiden eben Genannten das gewesen sind.) Schreiben ist etwas, das man erst lernen muß, und das braucht Zeit und viel Übung. Wie alles andere auch, bloß ausgerechnet beim Schreiben wird das gern vergessen. Aber wenn Sie das erste Mal Tennis gespielt haben, beteiligen Sie sich auch nicht als nächstes an einer Meisterschaft, oder? Sie lassen nicht unmittelbar nach der ersten Klavierstunde Konzertplakate drucken, oder?
Probieren können Sie es natürlich trotzdem, mehr als Porto riskieren Sie ja nicht. Aber ich würde Ihnen vorschlagen wollen, lieber erst einmal auf eigene Faust weiterzuschreiben und vor allem den Kontakt zu anderen Schreibenden zu suchen - in Schreibgruppen, wie sie vielerorts bestehen oder natürlich auch im Internet, oder im Freundeskreis etc. Das schafft einen geschützten Rahmen, in dem man Erfahrungen sammeln und sich entwickeln kann. Und vor allem merkt, ob es einen so sehr interessiert, daß man auch dabeibleibt.
www.AndreasEschbach.com
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