Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

In vielen Büchern wie z. B. "Handburch für Erstautoren" etc. ist die Rede von "Books on Demand" als Möglichkeit nach vielen Verlagsabsagen. Wenn ich das richtig verstehe, ist es kein reiner Selbstverlag, sondern nur mit einer gewissen Beteiligung von 1000 Euro insgesamt in meinem Fall. Was ist davon zu halten? Auch habe ich gelesen, dass selbstverlegte Bücher nicht bei Literaturpreisen berücksichtigt werden. Gilt das auch für Books on Demand????

    Jetzt entspannen Sie sich erst mal. Aus Ihren Mails klingt ja regelrechte Panik. Die ist aber nie ein guter Ratgeber bei irgendwelchen Entscheidungen. Also - erst mal tief durchatmen. Es dauert immer seine Zeit, bis man einen Verlag findet. (Erich Maria Remarque hat mit dem Manuskript seines Romans "Im Westen Nichts Neues" über 130 Absagen kassiert, ehe das Buch einen Verlag fand und zum Welterfolg wurde. Die amerikanische SF-Autorin C.J.Cherryh hat zehn Jahre lang jedes Jahr einen Roman geschrieben und an alle greifbaren Verlage geschickt, ehe sie verlegt wurde - heute ist sie eine der führenden SF-Autoren Amerikas. Das sind so Extrembeispiele, an denen man sich orientieren kann.)

    "Books On Demand" meint die technische Möglichkeit, Bücher in elektronischer Form verfügbar zu halten und immer erst dann ein Exemplar in Papierform davon herzustellen, wenn es jemand kaufen will, so daß keine Lagerkosten entstehen und das Buch auch nie vergriffen ist. Die zugehörigen, sehr teuren Maschinen arbeiten ungefähr wie superschnelle, doppelseitige Laserdrucker mit angeschlossener automatischer Bindeeinrichtung, bei denen man per Mausklick das gewünschte Buch anwählt, und ein paar Minuten später liegt es gedruckt und gebunden im Ausgabeschacht.

    Es gibt übrigens ein Buch über "Books On Demand", das sich an Jungautoren richtet (das natürlich ebenfalls nach diesem Verfahren hergestellt wird); ich weiß allerdings nicht, bei welchem Verlag. Schauen Sie einfach mal bei amazon.de nach.

    Was Literaturpreise anbelangt, hängt das von den jeweiligen Ausschreibungsdetails, da gibt es keine generelle Regel. Viel wichtiger ist, daß selbstverlegte Bücher in keiner Zeitung rezensiert werden, und am allerwichtigsten ist, daß die Chancen, daß ein Buch, das schon einmal im Selbstverlag erschienen ist, noch einmal in einem Publikumsverlag aufgelegt ist, nahezu Null sind. Das ist mein Haupteinwand gegen jede Art von Selbstverlag inklusive Book On Demand: Sie verschaffen Ihrem Manuskript damit eine Beerdigung erster Klasse. Wenn Sie nicht gerade Krebs haben und vor Ihrem Tod noch dieses Buch gedruckt sehen wollen, kann ich Ihnen nicht dazu raten. Legen Sie es lieber eine Weile in die Schublade, überarbeiten Sie es noch einmal, schicken Sie es weiter herum und herum, gehen Sie damit auf der Buchmesse "hausieren". Ich weiß von einem Fall, in dem ein Autor, der schon mehrere Bücher im Selbstverlag veröffentlicht hatte (eher aus grundsätzlichen Erwägungen - er wollte die völlige Kontrolle darüber, wie der Umschlag aussieht usw., und glaubte so wenig daran, einen Verlag finden zu können, daß er es nicht ernsthaft versucht hat), mit einem Agenten in Kontakt kam, der ihn auch unter Vertrag nahm, aber zu einem Zeitpunkt, in dem die Veröffentlichung seines damals neuesten, besten Romans im Selbstverlag bereits in vollem Gang war. Obwohl nur 300 Exemplare davon gedruckt worden waren, war es fast unmöglich, einen Verlag zu finden, der dieses Buch noch einmal herausbringen wollte: die meisten lehnten ab mit dem Argument "interessanter Autor, aber das Buch ist schon einmal erschienen". Man war an weiteren Romanen interessiert, aber NICHT an dem, der schon einmal erschienen war - obwohl das mit 300 Expl. ja sozusagen "unter Ausschluß der Öffentlichkeit" stattgefunden hatte!


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