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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Die Gretchen-Frage: wie finde ich einen Verlag? Geht es wirklich nur darum, 100 Verlage anzuschreiben und 99 Absagen zu bekommen, bis einer sagt:OK! ?
Die Antwort lautet: ja.
Zum Trost: Erich Maria Remarque ist der mir bekannte Spitzenreiter - er hat 137 Absagen bekommen, ehe "Im Westen nichts Neues" einen Verleger fand.
ABER... Meine Lektorin hat mir mal ihren Stapel gezeigt. Brusthoch. Und es ist TATSÄCHLICH so, wie alle Lektoren und Verleger beteuern - man sieht auf den ersten 5 Seiten, ob ein Buch was taugt. Zumindest BILDET MAN ES SICH EIN.
Lektoren sind sehr unduldsame Leute. Sie suchen alle ganz gierig nach DEM AUTOR/DER AUTORIN, haben aber so viel Müll auf dem Tisch, daß sie unter Zeitdruck sind. Auf keinen Fall haben sie Zeit, nach Gold zu graben. Das Gold muß offen auf dem Tisch liegen.
Das heißt:
- Der Roman muß GUT sein. Das unterstelle ich mal.
- Das Manuskript muß formal 110%ig in Ordnung sein. Es muß aussehen wie ein professionelles Manuskript.
Wie sieht ein professionelles Manuskript aus?
- maschinegeschrieben oder gedruckt in einer Schreibmaschinen-Type, also Courier o.dgl. (das ist UNGLAUBLICH wichtig!)
- einseitig selbstverständlich
- jede Seite hat 30 Zeilen mit je ca. 60 Anschlägen, entsprechender Zeilenabstand (eineinhalbfach)
- Seitenzahl oben in der Mitte
- das professionelle Manuskript besteht aus LOSEN Blättern. Kaum zu glauben, was? Aber der Lektor ist Zeit seines Lebens gewöhnt, einen Stapel Papier auf dem Schoß zu haben, zu lesen und die gelesenen Blätter umgedreht auf einen anderen Stapel zu legen. Das erzeugt in ihm ein Gefühl von Vertrautheit. Auf KEINEN Fall darf das Manuskript in seiner Gestaltung an ein Buch erinnern! - denn ein Buch will der Verleger ja erst daraus MACHEN. Fertige Bücher interessieren ihn nicht. Also: Manuskript lose in einen Faltkarton.
- Deckblatt mit Titel und Name des Autors, Adresse und Telefonnummer und Anzahl der Anschläge. (Anzahl Worte wollen die Amerikaner, deutsche Verleger fangen damit nichts an.)
Und übrigens: ruhig mehrere Verlage auf einmal anschreiben. Und bitte geeignete Verlage. Da sollte man sich vorher kundig machen, in Buchhandlungen, auf Buchmessen usw., welcher Verlag was herausbringt.
Unglaublich, aber wahr: z.B. der Windhager Verlag bekommt regelmäßig Manuskripte von Romanen oder sogar Gedichtbänden zugeschickt! Um darüber lachen zu können, muß man wissen, daß dieser Verlag noch nie etwas anderes als Adreßbücher gedruckt hat...
www.AndreasEschbach.com
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