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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Was halten Sie vom Literatur-Institut Leipzig? Kennen Sie leute, die dieses Studium absolviert haben?
Das Literatur-Institut kenne ich nur dem Namen nach, kann also nichts darüber sagen. Ich bin auch nicht der richtige Ansprechpartner für derartige Beurteilungen; da es meiner Beobachtung nach Schriftstellern eher schadet als nützt, sich an Universitäten aufzuhalten, bin ich verständlicherweise skeptisch.
Es ist, wenn man den Wunsch in sich spürt, zu schreiben und möglicherweise das Schreiben zum Hauptinhalt seines Lebens zu machen, verständlich, sich unsicher zu fühlen. Diese Unsicherheit bekämpfen zu wollen, indem man erst einmal lernt, wie man es richtig macht, ist ebenfalls verständlich. Nur lernt man das an Universitäten nicht. An Universitäten beschäftigt man sich damit, wie es ANDERE GEMACHT HABEN. Und das nützt einem nichts.
Es gibt gewisse, sozusagen handwerkliche Aspekte, die man erlernen kann; die Hauptarbeit ist aber, sich selber zu verändern (wozu man auch sagen könnte: zu wachsen). Der akademische Ansatz kennt diese Dimension jedoch nicht, ist furchtbar verwirrt, wenn dies irgendwo eine wichtige Rolle spielt, und versucht dann, durch noch mehr Theorie die Sache irgendwie in den Griff zu bekommen. Um mit einem Bild zu sprechen: Sie wollen schwimmen lernen und beginnen deswegen ein "Studium für lustvolles Schwimmen und Wassersportberichterstattung" an der Uni Irgendwo, sind froh, daß Sie aufgenommen wurden - und kämpfen sich dann durch Seminare über die Geschichte des Schwimmens, die Theorie der Schwimmstile, Chemie des Wassers, Strömungslehre, um im vierten Semester festzustellen, daß Sie noch nie im Wasser waren und dies im Studium auch nicht vorgesehen ist.
Um schreiben zu lernen, müssen Sie:
- es zunächst einfach tun,
- sich mit der Einsamkeit dabei abfinden (bzw. lernen, sie zu genießen),
- viel schreiben (mengenmäßig gesehen) und regelmäßig,
- Texte fertigstellen,
- Feedback suchen,
- lernen, was aus dem Feedback Neid ist, was unkritische Bewunderung des "Schriftstellers an sich", und was auf wirkliche Stärken und Schwächen hindeutet,
- unablässig das eigene Sinnesorgan für Schwächen im eigenen Text - aber auch für Stärken - trainieren,
- die Werke anderer Autoren daraufhin lesen, "wie die das machen", sie vielleicht eine Zeitlang bewußt(!) zu imitieren versuchen,
- viel schreiben (weil man alle 100.000 Worte ungefähr einen Entwicklungsschub erfährt),
- sich über grundlegende Dinge informieren wie Grammatik, Zeichensetzung, die Verlagsszene, Urheberrecht usw.
- ab und zu die Nähe von anderen Autoren suchen, um sich zu vergewissern, daß es das, was man anstrebt, wirklich gibt und
- sich darauf einstellen, daß es keine vorgezeichneten Laufbahnen und Wegweiser gibt, sondern jeder seinen eigenen Weg finden muß.
www.AndreasEschbach.com
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