Dein Plan, Deinen Wortschatz zu erweitern, ist gut. Tatsächlich ist der Wortschatz für einen Schriftsteller das wichtigste Handwerkszeug. Und es ist auch nicht schwer - nur dranbleiben muß man. Wobei auch das eine wichtige Übung ist, denn das ist das Wichtigste, was ein Schriftsteller außerdem können muß: dranbleiben! Denn einen Roman zu schreiben, das ist, wenn man es noch nie gemacht hat, eine ganz schöne Strecke. Und eins ist klar: jemand mag so gut schreiben wie nur was - wenn er nicht dranbleiben kann, bis der Roman fertig ist, wird er es als Schriftsteller nie zu etwas bringen.
Nun aber zu der Übung:
Zunächst brauchst Du ein Vokabelheft, wie im Englischunterricht. Und einen Bleistift. Dann nimm Dir eines Deiner Lieblingsbücher vor. Fange an zu lesen, aber laß Dich nicht von der Geschichte gefangennehmen, sondern achte auf die Wörter. Suche nach Wörtern, die Du zwar VERSTEHST, die Du selber aber noch nie VERWENDET hast. Unterstreiche diese Wörter. (Wenn Du auf Wörter stößt, die Du nicht verstehst, schau in einem Wörterbuch oder Lexikon nach.) Immer wenn Du eine Seite fertig durchsucht hast, schreib die "erbeuteten" Wörter in das Vokabelheft, eins unter dem anderen. Und wenn Du eine Seite in Deinem Vokabelheft voll hast, ist genug gesucht für einen Tag.
Der nächste Schritt ist, daß Du versuchst, diese Wörter selber zu verwenden in dem, was Du schreibst. (Natürlich nur, wenn sie passen; nicht zwanghaft.) Immer, wenn Du ein erbeutetes Wort verwendest, machst Du ein Häkchen dahinter. Nach drei Häkchen "gehört" Dir das Wort.
Mach das, am besten jeden Tag. Wenn Du es mal vernachlässigst, fang wieder mit neuem Schwung an. Du wirst sehen, innerhalb weniger Monate hast Du einen Wortschatz, daß anderen Leuten die Ohren schlackern.
Wie funktioniert diese Übung eigentlich, wirst Du Dich fragen? Nun, ganz einfach. Jeder von uns erkennt viele Wörter, wenn er sie hört - das ist der sogenannte "passive Wortschatz". Aber die Zahl der Wörter, die man gewohnt ist, selber zu benutzen - der sogenannte "aktive Wortschatz" -, ist immer wesentlich kleiner. Manche Leute kommen da mit 2000 oder noch weniger Wörtern aus. Ganz klar, daß die sich nicht so präzise ausdrücken können, wie es ein Schriftsteller können muß. Wo man im Alltag einfach sagt "es ist kalt", da muß man in einem Roman genauer ausdrücken, wie es ist - frisch? kühl? fröstelig? frostig? klamm? feuchtkalt? eisig? starr? gefroren? winterlich? schneebedeckt? frostklirrend? usw. Nicht wahr, alle diese Wörter kennst Du - aber Du verwendest sie nicht alle. Das ist, was diese Übung bewirken soll - daß Wörter von Deinem passiven in den aktiven Wortschatz wechseln.
Noch ein Tip, weil ich Deine Mail gerade so sehe: Nach einem Punkt und nach einem Komma macht man immer ein Leerzeichen (DAVOR aber NICHT!). Am besten, Du gewöhnst Dir das gleich an, denn sonst sieht Dein Text unnötig unprofessionell aus.