Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Nützen solche Bücher denn wirklich etwas? Ich hatte mal ein solches angeschafft, aber das ist dann recht schnell auf dem Trödelmarkt gelandet, weil es mir absolut nichts gebracht hatte.

    (Welches war denn das?)

    Ich persönlich kaufe jedes Buch zu diesem Thema, das mir unterkommt, und bisher habe ich noch aus jedem was gelernt, auch wenn es nicht immer viel war (inzwischen kenn' ich mich eben doch schon ein bißchen aus...:-). Ich finde es anregend, sich Gedanken über die eigene Arbeitsweise zu machen und die Gedanken anderer dazu kennenzulernen.

    Freilich muß es einem liegen, aus Büchern zu lernen, das gebe ich zu. Man braucht eine Offenheit dafür, sich von einem Buch hinterfragen zu lassen, eine Bereitschaft, zu experimentieren, sein Verhalten (und sei es nur probeweise) zu ändern. Man darf natürlich auch nicht in die Haltung verfallen, sklavisch alles befolgen zu müssen, was der jeweilige Guru schreibt - deshalb ist es gut, MEHRERE solche Bücher zu lesen. Die widersprechen sich dann hier und da, und schon sieht man sich gezwungen, selber nachzudenken... zu prüfen, was für einen selber funktioniert. (Und was sind schon 30 oder 50 Mark für ein Buch, wenn nur ein guter Tip drinsteht, der mir hilft, besser zu schreiben? Geht man eben einmal weniger ins Kino, was soll's.)

    Was mich bisweilen etwas befremdet, ist die Haltung deutscher Autoren, allen Ratgeberbüchern gegenüber grundsätzlich ablehnend zu sein. Die typische Reaktion ist "Ich will mich nicht beeinflussen lassen" oder "Ich will doch nicht nach Schema F schreiben". Mir kommt das vor, als wolle jemand Bundesliga-Fußballer werden, bestehe aber darauf, sich alles selber beibringen, es ohne Trainer schaffen zu wollen. Gibt es in der Bundesliga einen Fußballer, der auf so eine Laufbahn zurückblicken kann? Nein. Weil es nicht geht. Und hat nicht doch jeder seinen persönlichen Kick-Stil entwickelt? Na also.

    Denn von anderen, in Kursen oder aus Büchern kann man immer nur die Anfangsgründe lernen, danach ist man ohnehin auf sich allein gestellt. Im Schreiben gibt es eine handwerkliche Ebene, über die man viel von anderen lernen kann. Die Ebene, die darüber hinausgeht, die muß sich jeder selber erschließen; das ist ein Land, in dem jeder der erste Entdecker ist. Und damit hat man auch genug zu tun. Man kann es sich nicht leisten, Zeit damit zu verschwenden, auch noch die Basics selber herauszufinden, das Rad immer wieder neu zu erfinden; dazu ist das Leben einfach zu kurz. Was immer man von anderen lernen kann, soll man von anderen lernen; alles andere ist Energieverschwendung.


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