Ja, man kann einen Roman zu Tode überarbeiten. Die erste Fassung ist immer Mist, die hundertste aber bestimmt wieder. Der optimale Punkt liegt dazwischen, und es ist ein wichtiger Teil der KUNST, aus der Schreiben ja auch besteht, zu spüren, wann dieser Punkt erreicht ist.
Was das Erkennen dieses Punktes so schwierig macht, ist, daß man sich, sobald man ihn erreicht hat, eingestehen muß: Besser kriege ich es nicht mehr hin. Vielleicht mit dem nächsten Buch, aber dieses ist so gut, wie es werden konnte.
Man kann nicht durch unendliches Überarbeiten aus einem mißratenen Buch ein Meisterwerk machen. Irgendwann sind die Verbesserungsmöglichkeiten ausgereizt. Wobei die Zahl der Überarbeitungen individuell sehr unterschiedlich ist; das hat auch etwas mit der Art der Vorbereitung zu tun. Ich mache sehr viel Vorarbeit, ehe ich anfange zu schreiben, und überarbeite relativ wenig - drei, vier Mal, höchstens. Eine mir gut bekannte Schriftstellerin dagegen schreibt aufs Geradewohl los, weitgehend ohne Konzept, und schreibt zehnmal und öfter um, manchmal, indem sie den kompletten Roman nochmal mehr oder weniger komplett abschreibt.