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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Es macht mir Spaß zu schreiben und mich mit Texten zu beschäftigen, mir Geschichten auszudenken und so weiter, ich habe auch schon einige Story-Experimente gewagt, Ideen gewälzt, es dann aber meistens bei einer Gliederung belassen, nur wenige sind zu einem "richtigen" mehr schlechten als rechten Text herangereift - aber das ist nicht der Punkt, da muss ich mich noch selber überwinden und einfach mehr schreiben.
Ich muß Ihnen dazu was sagen, was Sie vielleicht verstimmen wird: das klingt noch nicht so rasend überzeugend. Das klingt noch nicht nach ARBEIT. Das Leben eines Schriftstellers besteht aber zum größten Teil aus ziemlich anstrengender Arbeit, die in einsamer Zurückgezogenheit verrichtet wird. Es ist allerdings, wie ich gern zugebe, eine überaus befriedigende Arbeit. Nicht immer besser als Sex - aber manchmal.
Wenn ich in Ihrer Situation wäre, würde ich mir folgendes raten:
- Was Sie brauchen, ist ein Roman von 300-400 Seiten Länge (das sind 500.000 bis 600.000 Anschläge), unter dem das Wort "ENDE" steht. Ein komplettes Werk, das man jemandem vorlegen kann. Ohne so etwas nützen einem alle Ideen und Talente nichts. Also: schreiben Sie es.
- Es ist völlig überflüssig und eher hinderlich, hierfür ein Jahr auszusetzen. Ergreifen Sie ein Studium oder beginnen Sie eine andere Ausbildung, die Ihren sonstigen Neigungen entspricht, führen Sie ein normales Leben und schreiben Sie nebenher. Führen Sie Buch über Ihr Schreiben (heutzutage ja kein Problem mit den Wortzählungsfunktionen der Textverarbeitungen) und streben Sie einen Schnitt von 1800 Anschlägen pro Tag an. Lesen Sie keine Zeitung mehr und sehen Sie weniger fern, dann bleibt hierfür genug Zeit.
- Wenn Sie den Roman geschrieben haben, lassen Sie ihn eine Weile liegen; beginnen Sie einen neuen und nehmen Sie den ersten nach drei Monaten wieder zur Hand. Bilden Sie sich ein Urteil, wie gut er ist und ob Sie ihn schon in die Welt hinausschicken möchten. Wenn ja, lassen Sie ihn von Freunden usw. lesen. Wenn Sie (!) dann immer noch das Gefühl haben, er ist gut genug, schicken Sie ihn an Verlage, Agenten usw. - aber schreiben Sie in der Zeit schon am nächsten, das hilft einem die unvermeidlichen Ablehnungsbriefe zu verkraften.
- Lassen Sie sich nicht entmutigen. Verlage SUCHEN gute Autoren. Bemühen Sie sich, einer zu werden. Auch wenn einem alle Leute das Gegenteil sagen, die Aussichten, veröffentlicht zu werden, waren selten besser als heute.
www.AndreasEschbach.com
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