Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Angenommen eine Gruppe von Rebellen plant einen Anschlag. Bei diesem Anschlag ist Zeit ein wichtiger Faktor. Den Anschlag können sie nicht durchführen, weil sie während den Vorbereitungen einen Verkehrsunfall erleiden und so zu viel Zeit verlieren. Die Sache muss abgeblasen werden. Wenn dies, was ich jetzt beschrieben habe, eine Schlüsselszene oder ein Wendepunkt in der Geschichte ist und noch viele Folgen haben wird für die Protagonisten, kann ich den Auftritt der Polizei an der Unfallstelle, eine logische Konsequenz des Unfalls, nicht einfach weglassen. Andererseits interessieren mich die Dialoge, die mit der Polizei zu führen sind, als Schriftsteller nicht - sie langweilen mich sogar. Wie kann man z.B. diese Polizei-Szene umgehen, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren?

    Ich verstehe das Problem. Es besteht darin, daß Sie der Ansicht sind, diese Szene - bleiben wir bei Ihrem Beispiel - sei langweilig.

    Natürlich hat etwas Langweiliges in einem Roman nichts verloren. Wenn es aber essentiell zur Handlung gehört, KANN es nicht langweilig sein.

    Ich stelle mir das vor. Diese Rebellen sind auf dem Weg zu einem Anschlag - da fährt ihnen, sagen wir, ein Bus in die Seite. Krach, peng, Mordgetöse, Geschrei, auslaufende Flüssigkeiten, lädierte Schädel.

    Die Rebellen krabbeln benommen aus dem Auto, besehen sich den Schaden. "Scheiße, das wird nichts mehr! Wir kommen zu spät", sagen sie sich. Und da - kommt auch noch die Polizei!

    Kann das langweilig sein? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie mit Ihrem bis zum Rand mit Waffen vollgeladenen, aber leider völlig lädierten Wagen da stehen und POLIZEI kommt!?!? Sie würden Blut und Wasser schwitzen, oder? Und zugleich müßten Sie Ruhe bewahren, cool tun, alles herunterspielen und so unauffällig wirken, daß niemand auf die Idee kommt, Ihren Wagen näher in Augenschein zu nehmen!

    Doch einer Ihrer Mitverschwörer, der junge XY, der zeigt leider Nerven. Nichts gewohnt der Junge, Sie haben es schon immer geahnt... und jetzt bemerken Sie das Zittern seiner Wangenknochen, das immer seine cholerischen Anfälle ankündigt... Scheiße, das kann in die Hose gehen! Was jetzt?

    Ist das langweilig? Wenn ja: Was ist dann spannend?


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