Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Stimmt es, dass viele Erstlingsautoren an der Ich-Form gescheitert sind und ist es wirklich besser eine andere Form zu benutzen?

    Drei Dinge sprechen gegen die Ich-Erzählung:

    1. Viele Leute mögen diese Form nicht. Einfach so. Geschmackssache. Ich habe mehrere Romane in der Ich-Form veröffentlicht, und jeder hat Kommentare eingefahren wie "Ich-Erzählungen mag ich ja normalerweise nicht" oder "ich hätte es vorgezogen, wenn der Roman nicht in der Ich-Form" usw. - während umgekehrt mir niemals jemand geschrieben hat, daß er es besonders toll fand, einen Roman in der Ich-Form zu lesen.
    2. Die Ich-Erzählung zu bewältigen erfordert mehr schriftstellerische Erfahrung. Beschreibungen, Spannungsaufbau, Führung der Handlung usw. - das muß alles weitaus konsequenter aus der Perspektive des Erzählers erfolgen, und es ist nur schwer bis gar nicht möglich, die Perspektive zu wechseln (was oft der Spannung und dem Erzählfluß gut tut).
    3. Erstlingsautoren haben ohnehin das Problem zu großer Nähe zu ihrem Stoff, und in der Ich-Form zu schreiben verstärkt die Gefahr noch, daß nicht ein Roman draus wird, sondern eine Art Tagebuch, das nur der Autor verstehen kann.

    Trotzdem gibt es Geschichten, die zwingend erfordern, in der Ich-Form erzählt zu werden. (Agatha Christis "Alibi" etwa wäre witzlos ohne diese Perspektive.) In dem Fall muß man natürlich trotz allem diese Form wählen. Aber eine Überlegung, ob nicht die dritte Person die bessere Erzählperspektive ist, sollte man immer anstellen, und das Für und Wider gründlich bedenken.


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