Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Über die Wahrscheinlich-erkennt-man-nur-mein-schriftstellerisches-Genie-nicht-Ego-Phase bin ich schon hinweg, gleichermaßen über die Sache mit dem Glück. Nun denke ich, daß meine Geschichte einfach nur schlecht ist. Nicht schlecht im Sinne von keine Story, flacher Protagonist, Logik- und Grammatikfehler en mass, sondern schlecht, weil zu sehr für mich selbst geschrieben. Und dazu auch meine Frage an Sie: Mache ich mir etwas vor, wenn ich davon ausgehe, daß ich beim Schreiben alles nur aus mir herausfließen lassen muß, um ein gutes Buch zu schaffen? Vielleicht brauchen gute Bücher mehr Disziplin, mehr Korsett? Müssen mehr konstruiert werden? Nicht nur herausgelassen?

    Das kann man so nicht sagen. Grundsätzlich zählt nur, was am Ende auf dem Papier steht und was es beim Leser auslöst - Begeisterung? Faszination? Langeweile? Gähnen? Grauen? Freude? Gefühl, jedenfalls. WIE Sie das machen - ob Sie es im Drogenrausch hinfetzen oder sorgsam Wort für Wort konstruieren, ob Sie im Schreibtaumel ekstatisch mit den Worten tanzen oder ob Sie sich mit jedem Satz abquälen, ist egal. Wenn es funktioniert, funktioniert es. Es gibt so viele Arten zu schreiben - das heißt: "Texte zu erstellen" -, wie es Autoren gibt.

    Was allerdings sein kann, ist, daß das, was Sie schreiben, zu PRIVAT ist. Ein Roman muß, um andere Menschen zu erreichen, eine gewisse Allgemeingültigkeit erreichen; muß etwas widerspiegeln, das Sie mit anderen gemeinsam haben. Etwas, das im weitesten Sinne eher dem Tagebuch verwandt ist - das Außenstehende nicht verstehen können -, ist nicht geeignet zur Veröffentlichung.

    Es gibt ein Handwerk des Schreibens, das über Grammatikregeln, Rechtschreibung und Kommasetzung hinausgeht, und das gibt es nicht ohne Grund. So wie ein Maler auch nicht einfach drauflospinselt, sondern vielleicht vorskizziert oder Studien anfertigt ("wie male ich eine Hand, die einen Füllhalter hält?"), so ist auch das Erarbeiten eines Romans teilweise "Fließen", teilweise sorgsames Nachdenken. Jedenfalls bei den meisten.

    Ich habe aber das Gefühl, daß Sie vielleicht, ehe Sie an Ihrer Technik bzw. Nichttechnik was ändern, erst mal mehr Kontakt zu Lesern suchen sollten - im Bekanntenkreis, und möglichst Leute, die nicht wild entschlossen sind, alles von Ihnen nobelpreisverdächtig zu finden (Mütter und Väter sind idR ungeeignet). Achten Sie auf deren Reaktionen. Wollen die mehr lesen? Immer ein gutes Zeichen. "Mmmngjooh, ganz interessant..." ist eher kein so gutes Zeichen. Ich fand es immer sehr interessant, still dabeizusitzen, wenn jemand was von mir liest - seine Reaktionen, vor allem aber MEINE Reaktionen. "Ah, jetzt kommt er an die Stelle, wo mein Held... hmm, vielleicht hätte ich die anders schreiben sollen..." - ganz bestimmt! Und auf einmal geben Sie sich selber Ratschläge, was natürlich immer das Beste ist.


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