Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Es gibt bestimmte Kriterien, die man immer wieder hört und die jeder Editor und Agent wiederkäut, ob er nun Ahnung vom Schreiben hat oder nicht. James Frey hat diesen Diskurs auch für das deutsche Publikum zusammengefasst.

    Man sollte sich gerade als "Nachwuchsautor" einmal ernsthaft die Frage stellen, warum man eigentlich nie Romane von, sagen wir, Sol Stein, James N. Frey oder ähnlichen Schreibgurus in den Bestsellerlisten findet. Ich meine, diese Leute haben die Regeln doch wirklich verstanden, oder? Und so beschäftigt damit, Schreibworkshops zu geben, daß sie nicht dazu kämen, einen Millionenbestseller zu schreiben, dürften sie auch nicht sein. Was heißt EINEN Millionenbestseller? Permanent die vordersten Plätze blockieren müßten sie mit Romanen, die uns beim Lesen die Socken ausziehen. Tun sie aber nicht. Tatsächlich lesen sich die Erzeugnisse dieser Herren in der Regel, vorsichtig ausgedrückt, doch eher bemüht.

    Man gerät, wenn man zu viele Bücher übers Schreiben liest, leicht in die Falle, Romane (fremde und eigene) nur noch danach zu beurteilen, ob sie DIE REGELN EINHALTEN - nicht danach, ob sie GUT sind. Das sind aber zwei Paar Stiefel. Zuviele Regeln im Kopf verstellen die Sicht auf das, was tatsächlich abgeht. Mit Regeln im Kopf Romane zu schreiben, das ist so, wie wenn ein junger Mann Ratschläge eines Sexratgebers auswendig lernt, ehe er zu einem vielversprechenden Rendezvous aufbricht. Beides wird schiefgehen. Beides aus praktisch den gleichen Gründen.

    Der einzige Autor unter denen, die sich zum Thema "Bestseller schreiben" geäußert haben, der nun wirklich sachkundig ist, ist Stephen King. Dankenswerterweise hat er dieses wunderbare "On Writing" veröffentlicht, in meinen Augen eines seiner besten und bewegendsten Bücher überhaupt, und interessanterweise sagt er darin Dinge, die dem, was so gemeinhin ständig wiedergekäut wird, teilweise diametral zuwiderlaufen. Von Plotlinien, Turningpoints usw. hält er schon mal überhaupt nichts, dagegen viel davon, in das eigene Innere abzutauchen und die Geschichte in sich selber zu finden - von Phantasie, kurz gesagt.

    Regeln versuchen das, was eine gute Geschichte ausmacht, irgendwie faßbar, greifbar zu machen. Ich sage nicht, daß sie das nicht teilweise auch tun. In behutsamen, nahezu homöopathischen Dosen können sie einem mitunter weiterhelfen. Aber man muß aufpassen mit der Dosierung.


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