<<Vorige Frage
Nächste Frage>>
Übersicht Gesamtübersicht
Home
News
Bücherbord
Pinwand
Schublade
Kalender
Tagebuch
Privates
Mail
|

ü b e r d a s S c h r e i b e n
Ich bin 17 und möchte unbedingt schreiben. Richtig schreiben. Gedanken, Ideen und Emotionen in Worte kleiden, das ein dritter sie lesen kann. Man könnte sagen ich möchte mich mitteilen. Ich begann also mit einer kleinen Autobiographie, merkte aber schnell, das mein Stil fortwärend wechselte und meine ganze Erzählung so, an, wie soll ich sagen, das Fundament fehlte. Kennen Sie diese Situation? Erinnern Sie sich beim schreiben, das Sie diesen oder jenen Schreibstil umsetzen wollen oder kann sich derselbe je nach Laune ändern? Haben Bücher die Sie gerade lesen auf Ihre Arbeit Einfluß?
Der Reihe nach:
Ich möchte unbedingt schreiben. Richtig schreiben.
Schön. Kein Problem. Alles, was Du tun mußt, ist, es zu tun.
Gedanken, Ideen und Emotionen in Worte kleiden, das ein dritter sie lesen kann. Man könnte sagen ich möchte mich mitteilen.
Der letzte Satz war jetzt der schlechteste. Das war Psycho/Beamtendeutsch. "Mitteilen"??!!? Wenn man was mitteilen will, ruft man an und teilt es mit. Punkt. Schreiben tut man, um andere Leute in die eigenen Träume hineinzuziehen. Um sie an den eigenen Erlebnissen teilnehmen zu lassen. Um sie von (vermeintlich) wichtigeren Tätigkeiten abzuhalten.
Ich begann also mit einer kleinen Autobiographie,
Nun gut, Du kannst natürlich schreiben, was Du willst. Und für den Anfang mag das eine gute Übung sein, weil man zumindest nicht überlegen muß, was die handelnden Figuren als nächstes tun werden. Ich will aber trotzdem hierzu ein bißchen Senf geben.
- Es gibt ein sehr wahres Statement von, ich glaube, J. Michael Straczynski, der sagt: "Jeder trägt eine Geschichte in sich, die niemanden interessiert - und das ist seine eigene." Wenn Du andere Menschen erreichen willst, mußt Du Geschichten erfinden. Beachte das letzte Wort: "erfinden"! Stil usw. ist auch wichtig, aber daß man Handlung erfindet, gehört nun einmal zum Berufsbild dazu. Man kann nicht früh genug damit anfangen, das zu üben. Die eigene Geschichte und ihre Probleme verarbeitet man dagegen am besten in einem Tagebuch. Das aber geht niemand anderen etwas an. Darin redet man nur zu sich selbst.
- "Erfinden" heißt durchaus, eigene Erlebnisse zu Geschichten zu verwursten. Urlaub in Italien gemacht, tolle Zeit gehabt - völlig OK, das zu einer Story zu verwursten. Schlimme Kindheit - gute Idee, einen Roman darüber zu machen. Nur kann das bedeuten, daß die Geschichte dann anders läuft als in Wirklichkeit. Erzählte Geschichten haben eigene Gesetze, und das Argument "aber in Wirklichkeit war es so" zählt nichts. Null. Nada. Niente.
- Es gibt aber auch Leute, die nichts erfinden mögen, sondern lieber Ereignisse erzählen, die sich tatsächlich zugetragen haben und auch genau SO, WIE sie sich zugetragen haben. Das ist dann nicht die Art Schriftstellerei, die ich betreibe, sondern Journalismus im weitesten Sinne. Ist auch OK. Die beiden Gebiete verhalten sich zueinander wie Spielfilm zu Dokumentarfilm. Man muß sich nur darüber im klaren sein, was man will.
- Und auf die Frage, WAS man am besten schreiben soll, gibt es nur eine Antwort: Sachen in der Art, wie man sie selber, zum eigenen Vergnügen, am liebsten liest.
merkte aber schnell, das mein Stil fortwärend wechselte und meine ganze Erzählung so, an, wie soll ich sagen, das Fundament fehlte.
Stil hat relativ wenig mit dem Fundament einer Erzählung zu tun. Das Fundament einer Erzählung besteht aus Handlung, Figuren und Schauplätzen.
Erinnerst Du Dir beim schreiben, das Du diesen oder jenen Schreibstil umsetzen willst oder kann sich derselbe je nach Laune ändern?
Ja, das ging mir am Anfang auch so. Das ist auch nicht weiter schlimm. Man findet nur zu einem eigenen Stil, indem man erst mal Dutzende anderer Stile imitiert. Durch das Imitieren lernt man einen Stil besser kennen als durch Lesen allein. Und Neues entsteht nun mal nicht aus der Unkenntnis des Vorhandenen. Was tun? Einfach weiter schreiben.
www.AndreasEschbach.com
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung.
|