Wie machen wir es denn im täglichen Leben? Wenn wir im Schuhgeschäft endlich drei Paar Schuhe beisammen haben, die einigermaßen in Frage zu kommen scheinen, dann HALTEN WIR SIE NEBENEINANDER, um festzustellen, welches Paar denn nun das Beste ist.
Qualität erkennt man niemals so leicht, wie wenn man vergleicht. Und nur durch Vergleichen schult man sein Qualitätsempfinden.
Man könnte also einen Text schreiben, ruhen lassen, kritisch lesen, nochmal ruhen lassen - und dann, ohne ihn nochmal anzusehen, dieselbe Geschichte NOCHMAL schreiben. Ruhen lassen. Und nun VERGLEICHEN. - Es ist nicht gesagt, daß die zweite Fassung besser sein muß. Oft ist sie es, vor allem dann, wenn man beim ersten Mal noch nicht so genau wußte, wo es langgeht. Manchmal ist man entspannter, wenn man weiß, eine Fassung hab ich ja schon, die nicht so übel war. Manchmal aber ist man beim Schreiben in einer sehr ekstatischen Stimmung, fast eine Art Rausch, und kann eine Ursprünglichkeit und Kraft einfangen, die man nicht mehr hat, wenn sich der Kopf zu sehr einschaltet.
Ich gestehe aber, daß ich selten etwas zweimal geschrieben habe, weil mir das zu langweilig war. Wenn ich einen Text zum zweitenmal geschrieben habe, dann war der Grund meistens... ein Datenverlust. (Noch ein Grund, mein eigenes Textverarbeitungssystem zu programmieren, das die regelmäßige Sicherung besser händelt als die meisten käuflichen!)
Aber es gibt eine Übung, die ich für die beste halte, die es für Schriftsteller gibt. Die habe ich wirklich oft gemacht, und ich kann sie nur wärmstens empfehlen. Das nächste Mal werde ich erzählen, wie sie geht...