Genau das ist es, was man lernen muß! Ich glaube, daß man um so besser schreiben kann, je präziser man unterscheiden lernt, was von dem, was man geschrieben hat, gut und was schlecht ist. Hier liegt der Schlüssel - interessanterweise nicht in dem Teil in uns, der Text PRODUZIERT, sondern in dem, der Text BEURTEILT. Nicht wahr, alle Schriftsteller haben irgendwann diesen Kniff entdeckt, sich etwas laut vorzulesen und dann hinzuspüren, ob es irgendwo holpert, ob da ein Wort den Gesamtklang stört, ob die Satzstellung ungeschickt ist. Und auch, erkennen zu können, was man GUT gemacht hat - das ist extrem wichtig. Daß ein Satz auf den ersten Blick schräg wirkt, aber gerade dadurch stark und richtig ist, eben gut. Daß ein Dreh in der Geschichte, der einem eingefallen ist, gut ist.
Ich mache es so, daß ich beim Durchgehen von Geschriebenem (Korrekturlesen) nicht nur das anstreiche, was mir als schlecht aufstößt, sondern auch das, was gut ist und so bleiben soll. (Das kriegt einen senkrechten Strich am Rand.)
Dieses Lesen und Bewerten ist ein genauso anstrengender, kreativer Akt wie das Schreiben selbst. Hier muß man noch mehr dabei sein. Und man kann auch viel falsch machen - genial gelungene Sätze in platte, wohlerzogene Sätze zurückstutzen z.B.
Ach ja, was las ich heute in der Buchhandlung, in einem Buch über irgend eine neue Managementlehre: "An Ideen herrscht kein Mangel. Woran wirklich Mangel herrscht, ist an gutem Urteilsvermögen." Jede Wette, daß hier das gleiche Prinzip verborgen liegt?