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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Ich schaffe es immer sehr gute Anfänge zu schreiben, die auch andere für sehr gut halten, aber ich schaffe es dann nie weiterzumachen. Ich habe nun schon viele angefangene Geschichten rumliegen, aber es geht nicht weiter. Wie kommt das und was lässt sich dagegen tun?
Nun, ich denke, es kommt daher, dass Ihnen die Idee für den Schluß fehlt. Um eine Geschichte zu schreiben, braucht man MINIMUM ZWEI IDEEN: eine für den Anfang - die haben Sie - und eine für den Schluß. Wie die Geschichte aufhört. Was der Knalleffekt ist, der Dreh, die Auflösung, der Schlußhöhepunkt - solche Dinge. Diese zweite Idee ist für das Schreiben der Geschichte das, was der Nordpol für einen Kompaß ist: Man kann sich daran orientieren. Denn wenn erst einmal ein Anfang gesetzt ist, kann es ja buchstäblich in alle möglichen Richtungen weitergehen - das sind einfach zu viele Möglichkeiten. Doch wenn Sie im Hinterkopf haben, worauf alles zusteuern soll, dann entwickelt die Geschichte von selber Fahrt und Richtung.
Ein Beispiel: Sie haben die Idee, daß alles damit beginnen soll, daß jemand beim Umgraben seines Gartens eine antike Statue aus purem Gold findet. Das beschreiben Sie. Gut, aber wie geht es nun weiter? Kommt der Betreffende in Konflikt mit dem Gesetz, das von verlangt, antike Fundstücke abzugeben? Oder hat die Statue Zauberkräfte? Widerlegt sie eine alte Theorie über bestimmte geschichtliche Zusammenhänge? Will ihm jemand die goldene Statue stehlen? Zuviele Möglichkeiten. Erst wenn Sie ein bestimmtes Bild haben, wie die Geschichte ausgeht, kommt Richtung in die Sache. Angenommen, Sie haben als Ende vor Augen, daß sich herausstellt, daß die Inkas vor Jahrtausenden Europa bereist haben und unser Held ein verschüttetes Inka-Heiligtum in Niederbayern ausgräbt, dann wissen Sie, was zu tun ist: Er muß mit jemandem in Kontakt kommen, der sagt, "diese Statue können Sie unmöglich in Ihrem Garten ausgegraben haben, es ist Inka-Kunst" usw.; dann gibt es ein Hin und Her, weil noch Schatzräuber und Denkmalschützer auf den Plan treten usw.
www.AndreasEschbach.com
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