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Ü b e r d a s S c h r e i b e n
Wie die tägliche Arbeit aussieht*
Bedenken Sie bitte bei allem, was Sie hier lesen, daß ich nur darüber schreiben kann, wie meine tägliche Arbeit aussieht. Wenn Sie das auf Ideen bringt, gut. Wenn Sie sich etwas davon abgucken, auch gut. Aber wenn etwas bei Ihnen nicht funktioniert, dann lassen Sie's. Menschen sind verschieden, und jeder muß seine eigene Arbeitsweise entwickeln.
- Schreiben, so geht das Klischee, ist ein einsames Geschäft.
- Kennen Sie auch die Angst vor dem leeren Blatt? Ich habe, als ich in den USA war, eine Umfrage dort ansässiger Autoren durchgeführt und festgestellt, dass dies ein Phänomen ist, dass sehr häufig vorkommt. Was tun Sie, um sich zu überwinden? Reicht dort allein der Druck, das tägliche Pensum erfüllen zu wollen?
- Wieviele Stunden schreiben sie pro Tag? Und wielang dauert es im Schnitt, bis Sie einen Roman fertiggestellt haben?
- Haben Sie irgendwelche Rituale, wie sie sich auf das Schreiben einstimmen? Stehen Sie auf, gehen Sie einmal um den Stuhl, spucken Sie sich über den Rücken und tunken Sie ihre Schreibfeder in eine Tomate? Ich persönlich versuche mich mit Musik zu stimulieren, vorwiegend Film-, klassische, aber auch Pop-Musik.
- Wie schreiben Sie, wann schreiben Sie, wo schreiben Sie am liebsten?
- Haben die Bücher, die Sie gerade lesen, auf Ihre Arbeit Einfluß?
- Schreiben Sie eine Geschichte/Roman erst zu Ende, bevor Sie das nächste Projekt angehen? Oder arbeiten Sie an mehreren Sachen gleichzeitig?
- Lassen Sie mehrere Texte sozusagen phasen-verschoben entstehen (d.h.: Während Sie an Text A schreiben, ist Text B schon in Planung.)?
Sie haben einmal gesagt, Sie seien in der Zeit, in der Sie am "Jesus Video" geschrieben haben, nur auf einen Schnitt von einer Seite am Tag gekommen. Das erscheint mir ziemlich wenig; ich schreibe manchmal 5 oder 6 Seiten nach Feierabend. Sagen Sie mal, wenn Sie die ganzen Strecken zu den Lesungen usw. mit der Bahn gefahren sind, haben Sie da Ruhe gefunden zu schreiben? Ich habe als Vielfahrer (Auto) letzte Woche mal die Bahn ausprobiert. Ich hatte zwar einen reservierten Sitzplatz im InterCity, aber leider auch ständig irgendwelche (teilweise übelriechende) Hintern im Gesicht. Naja, vielleicht etwas übertrieben, aber mein Notebook hätte ich nicht auspacken wollen in dem Gedränge. Das würde mich echt mal interessieren, grad weil mir das Autofahren eine
Menge Zeit killt.- Ich wollte gerade an fangen,die Geschichte zu schreiben,aber ich weiß jetzt nicht,was der erste Satz sein soll.Da habe ich oft Probleme.Wenn Sie ein paar Beispiele nennen könnten,würde ich mich sehr adrüber freuen.
Können Sie tatsächlich beliebig an der Stelle Ihres Romans neu aufsetzen,
an der Sie am vorigen Tag abgebrochen haben? Obwohl Ihnen die Handlung
völlig klar ist, brauchen Sie möglicherweise Zeit, um wieder
hineinzufinden, und eben das gelingt mir nicht.- Warum warte ich bei Terminarbeiten immer bis zur letzten Sekunde?
- Ich habe festgestellt, dass immer wieder Tage ungenützt verstreichen, wenn man am Vortag die erste Fassung für einen Text abgeschlossen hat und ihn zufrieden in der Schublade verschwinden hat lassen. Was machen Sie diesbezüglich?
- Es gilt doch die Regel, man müsse jeden Tag mindestens 1800 Anschläge schreiben?
- Dutzende kleiner Ideen sammle ich in einer roten Taschenkladde, für die Zeit, wenn ich mal Zeit habe... aber ich habe den Eindruck, das auf diese Weise dieser Zeitpunkt nicht kommen wird.
- Ich habe beispielsweise drei Tage in der Woche bis 16:00 Uhr Schule und muss dann danach fast sofort zur Arbeit. Da hab ich keine Zeit mehr zum schreiben, wenn ich Zeit habe, muss ich lernen....(WÜRG)
- Das Problem ist die Ausdauer, dabeizubleiben, und ich denke, wenn man wirklich schreiben WILL, ist jedes Mittel recht, um diese
Ausdauer zu erreichen. Was meinen Sie?
- Interessanterweise habe ich im April, als ich vierzehn Tage ganz allein im Urlaub war, bis auf ein paar Notizen zu meinem neuen Buch kein einziges Wort geschrieben. Vielleicht sind Ruhe und Frieden einfach nicht die idealen Bedingungen für mich.
- Mir hilft die Non-Fiction-Schreiberei beim Erlangen der von Ihnen erwähnten Disziplin.
- Ich muß, und kann, in jeder Lebenslage schreiben, im Wohnzimmer bei laufender Glotze, umgeben von einer Horde tobender Kinder, im tastenklappernden Schreibzimmer der Großraumbüros, in Zügen..
- Mit einer vernünftigen Planung bekommt man alles unter einem Hut. Etwas weniger Fernsehen vielleicht, und schon wird man staunen, wiviel Zeit einem noch für andere Dinge bleibt. Aber ich glaube, dass viele einfach zu bequem sind...
Ich habe in letzter Zeit meine Arbeitsweise verändert: Anstatt alles auf A6-Ringbuchblöcken aufzuschreiben und dann irgendwann
ins Reine zu tippen, tippe ich nun gleich drauflos, seitdem ich einen Laptop habe. Tatsächlich ist das von der Quantität her produktiver, aber nach einer gewissen Anzahl von Short Stories fällt mir zur Zeit nicht viel mehr ein.Würde vielleicht eine Rückkehr zu den alten Arbeitsweisen helfen - bzw.kennen Sie von sich selbst die Erfahrung, dass so etwas hilft? Ich weiss nicht, wie ich schreiben soll. Ob auf PC oder von Hand... Von Hand; Vorteile: Ich kann alles nochmals überarbeiten, wenn ich es auf PC schreibe und sehe teilweise Fehler, die ich sonst nie realisiert hätte... Es ist bequem, man braucht keinen Strom, sondern nur ein Blatt Papier und einen Stift. Ich habe danach irgendwie das Gefühl, etwas "geleistet" zu haben... Ich kriege keine Kopfschmerzen... Nachteile: Es dauert ewig... Und ich habe nicht ewig Zeit... Sehr wichtige Überarbeitungen während dem Schreiben sind schwierig...
Was würden Sie mir empfehlen? Um meinen Roman schreiben zu können, müßte ich mich ganz darin vertiefen können, losgelöst von Dingen wie Kindererziehung, Geldverdienen, Steuerzahlungen oder Autoreparaturen. Ich habe auch probiert mit der Hand zu schreiben, doch ich plane die Geschichten immer so genau im Kopf, dass es mir dann doch zu langweilig ist, sie noch zu schreiben. Ich schreibe sehr gerne, allerdings bin ich immer abgelenkt durch Sorgen, ob finanzieller Art, Sorgen um oder wegen der Frau, etc.
Wie schafft man sich eine Plattform zum Schreiben, ohne ein schlechtes Gewissen seiner Frau, Freunden oder anderen gegenüber zu haben (man hätte ja noch einkaufen sollen, oder ähnliches)? Leider bin ich nicht in der glücklichen Lage wie Herr Mann seinerzeit, ein eigenes Schreibhaus zu haben und mich dort den Vormittag zurückziehen zu können. Glauben Sie nicht auch, dass das Internet ein ähnlicher Zeit-Killer ist wie das Fernsehen oder Zeitunglesen? Ich habe ihre Netpage studiert und ich bin erfreut über die Geduld und Ernsthaftigkeit, mit der sie uns Wortdilletanten in den
Sattel helfen wollen. Aber das ist nicht das, was mir weiterhelfen könnte. Also: Her mit dem Arschtritt!! Ich versuche mich seit ca. einem Jahr an einem Roman und hoffe, daß ich es durchhalte bis zum Ende. Ich möchte ab Montag mit dem täglichen Schreiben beginnen. Ich stelle mir 30 Minuten vor. Ich weiß zwar, dass ich mir damit ein sehr ehrgeiziges Ziel setze, aber ich traue mir zu, das zu schaffen. Es kann zwar immer mal vorkommen, daß man an einem Tag nicht dazu kommt, aber dann möchte ich die verlorene Zeit am nächsten Tag anhängen. Man verliert leicht den Spaß am Schreiben, wenn man ständig nur daran denkt, möglichst schnell fertig zu werden. Ich mache mir seit Wochen vor, dass ich ja gar keine Zeit zum Schreiben habe, dass ich immerhin alleinerziehender Vater bin und die Schule gewiß nicht schaffen werde, wenn ich nebenbei auch noch ein "großes Schreibprojekt" bearbeite. Alles Ausreden - gewiß! Hin und wieder fällt mir ein Stück für weiter hinten in der Geschichte ein, (dummerweise schreib ich das nie auf) Zu schreiben hab ich schon begonnen, aber es sind immer nur Textfragmente zu der Idee die mir gerade durch den Kopf schwirrt, denn da fällt mir auch schon wieder die nächste ein. Dadurch bekommt das Ganze leider nicht Hand und Fuß. Ich (männlich, 20 Jahre jung) persönlich halte mich für recht schreibgewandt und talentiert; vielleicht werde ich irgendwann mal meine Schrifststellerambitionen in die Tat umsetzen. Oft habe ich (meiner Ansicht nach, und wohl nur meiner...) geniale Ideen für Bücher, Kurzgeschichten usw., die ich mir dann auch sofort notiere, um den Gedanken festzuhalten. Mein Problem ist aber, dass ich häufig unter Schreibblockaden leide. Das heißt, ich sitze vor meinem Rechner (oder Blatt Papier) und grübele manchmal stundenlang über einen Anfang nach. Irgendwie fällt es mir hin und wieder schwer, einfach draufloszuschreiben. Und je länger mich diese weiße Leere anstarrt, umso schwerer fällt es mir. Manchmal tippe ich dann vor lauter Verzweiflung in mehrfacher Ausführung folgendes drauf los.. "Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!" ;) Ist das normal? Plagen Sie manchmal ähnliche Blockaden? Wie geht man damit um? Was hilft dagegen? Was also kann man gegen diese Schreibblockade unternehmen? Ich würde gerne einen Roman schreiben, bringe es jedoch zu Hause einfach nichts zustande. Es ist wie eine Blockade, kaum habe ich angefangen, gehe ich wieder in die Küche, um etwas zu trinken oder eine Zigarette zu rauchen, oder ich höre, dass im Fernsehen irgendwas läuft, das mich interessiert. Und schon komme ich auch ideenmässig nicht mehr weiter. Anderntags, wieder im Büro, bin ich voller Energie, was zu schreiben und meine Fantasie kennt keine Grenzen. Ich muss noch dazu sagen, dass ich daheim optimal eingerichtet bin und in Ruhe schreiben könnte, was im Büro eigentlich nicht der Fall ist (Hektik, Rumgeläufe usw.). Besteht die Möglichkeit, dass ich höchstens geeignet bin, um Kurzromane zu schreiben, oder auf was würden Sie mit Ihrer Erfahrung tippen? Gibt es sie überhaupt, die gespensterhaft umgehende SCHREIBBLOCKADE? Übrigens finde ich die Ergänzung auf der linken Seite der Software-Seite sehr gut. Habe diese Erfahrung am eigenen Leib machen müssen. QuickPlot war das erste Programm, dann folgte WriteProFiction, dann tausend Bücher zum Thema Schreiben und dann habe ich feststellen müssen, dass ich seit 8 Monaten kaum etwas geschrieben habe. Haben Sie möglicherweise schon von irgendeinem Schriftsteller gehört, der an seinem Computer mit Spracherkennungssoftware arbeitet, um sich die lästige Tipperei zu ersparen? Vielleicht haben Sie es ja sogar schon selbst einmal ausprobiert. Immerhin geht es ja ums Geschichten erzählen.
www.AndreasEschbach.com
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