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Ü b e r d a s S c h r e i b e n
Wie man als Schriftsteller Karriere macht
- Wie wird man Schriftsteller?
- Um ehrlich zu sein, möchte ich schon beruflich Autor werden, da ich mir eigentlich kaum einen schöneren Beruf vorstellen kann.
- Mein Großvater sagte einmal: "Wer schreibt, der bleibt." Ich bin der Überzeugung, dass Schriftsteller einen Weg zur Unsterblichkeit gefunden haben.
- Ich möchte meinen Kindheitstraum verwirklichen, Geschichten erzählen und hauptberuflich Bücher schreiben. Bis dahin werde ich dieser Passion nebenberuflich nachgehen.
- Ich trage mit mir den Wunsch herum, vielleicht irgendwann einmal Schriftsteller zu werden - einen anderen Berufswunsch habe ich momentan nicht.
- Bei Heyne wird die Rollenspielserie Das Schwarze Auge veröffentlicht... Da erscheint dann so ein Roman wie eine Eintagsfliege, wenn man Glück hat, schreibt man später noch einen zweiten, der auch veröffentlicht wird, aber Heyne kommt da nicht auf die Idee, auch mal anderen Stoff zu nehmen. Man geht davon aus, daß die Leser in erster Linie die Bücher um der Serie Willen erwerben, nicht weil da jetzt wieder ein neues Werk von Autor XY rausgekommen ist.
- ich bin im moment journalist, schreibe jeden tag für eine lokalzeitung, aber ich bin unzufrieden. ich schreibe über dinge, die mich oft
überhaupt nicht interessieren (gemeindeversammlungen, verkehrsunfälle etc.). und wenn ich nach hause komme und endlich zeit hätte, geschichten zu schreiben, ist mein kopf matschig und schwer. ich hab mir schon überlegt, irgendeinen job zu machen (kurierdienstfahrer, farbrikarbeiter) der geistig nicht anspruchsvoll ist, und nebenbei zu schreiben.
- Das Schreiben allein muß erfüllend sein, sagen Sie. Wer seinen Namen in der Öffentlichkeit sehen will, sollte besser Journalist werden, sage ich.
- Sie haben gesagt, daß man nicht der beste Schreiber der Welt sein muß, um gedruckt zu werden. Was hätten Sie denn getan, wenn Ihnen "das" jemand gesagt hätte, als Sie 18 waren? Hätten Sie versucht einen veröffentlichungsreifen Roman zu schreiben und dabei das Abitur zurückgestellt?
- Hätten Sie vielleicht ein Jahr lang ausgesetzt und nur geschrieben, wie das zum Beispiel ein Freund von mir vorhat, der ein unglaublich guter Gitarrenspieler ist und vor dem Musikstudium ein Jahr lang nur musizieren will, um sich zu verbessern?
- Ich habe mich für ein Literaturstudium entschieden, um mich noch mehr mit Literatur auseinandersetzen zu können - und Zeit zum Schreiben zu finden. Ich liebe es zu lernen, ich liebe es Mechanismen aufzudecken und ich liebe es zu lesen. In welchem anderen Beruf, als in dem des universitär angestellten Literaturwissenschaftlers könnte ich dem ohne schlechtem Gewissen nachgehen? Aber am Ende steht für mich immer noch eines: Schriftsteller zu sein.
- Literaturwissenschaftler könnten ein Handicap mehr haben: Sie können gut kritisieren und sich selbst auch, was sie wiederum zum Schweigen bringen könnte.
- Ich denke nicht, dass es einen großen Unterschied macht, ob man Literaturwissenschaftler oder Jurist ist.
- Es kann ein unangenehmes Problem werden, wenn man sich so früh schon (mit 17 fing ich an) ins Schreiben hineinsteigert. Bei mir war es so, daß ich eine Zeitlang dachte, es sei meine einzige Chance, dem heutigen Arbeitsmarkt zu "entkommen" und danach von materiellen Sorgen losgelöst ein Leben mit dem zu verbringen, was mir am meisten Spaß machte.
- Ich schreibe von Berufs wegen. Nicht nur, dass mich meine beruflichen Texte intellektuell abstoßen, ich bin Abends so schlapp und weich in der Birne, dass ich kaum zu zusammenhängender geistiger Arbeit fähig bin. Sollte ich lieber rechtzeitig Pförtner werden um mir den Traum vom freien Schreiben nicht völlig zuzuschütten?
- Glauben Sie, dass professionelles "Lohnschreiben" und freies "Kreativschreiben" überhaupt zueinander passen?
- Dummerweise kann man hierzulande mit Heftromanen kaum einen Blumentopf gewinnen und vielleicht sollte ich meine Energie anderweitig verbraten, aber irgendwie reizt es mich.
- Es führt kein Weg daran vorbei, sich erst einmal um sein ganz "schnödes" Leben kümmern zu müssen, es sei denn, man ist tatsächlich so etwas wie ein Genie ;) oder zufällig Benjamin Lebert.
- Muß ein Schriftsteller, der vom Schreiben leben will, schon deshalb relativ viel Ausstoss produzieren?
- Keiner außer Ihnen und mir weiß, dass ich schreibe. Ich schreibe heimlich. Das mag sich für Sie jetzt wahrscheinlich ziemlich bescheuert anhören, aber ich habe einfach Angst zu sagen: "Ich schreibe einen Roman." Jeder in meiner Umgebung würde mich einfach nicht mehr für voll nehmen und mir den Vogel zeigen, weil sie mich nicht verstehen. Vor allem, da ich ja nicht einmal Ergebnisse vorweisen kann. Ich bin ein Möchtegernschriftsteller. Und das versuche ich zu ändern, indem ich eine Kurzgeschichte in Alien Contact oder ähnlichen Magazinen veröffentlichen werde, damit ich sagen kann: "Hier, lest das: Ich bin ein Schriftsteller. Und jetzt spielt ohne mich Fußball, ich muss an meinem Roman arbeiten."
- Eine Frage hätte ich noch...(peinlich)....nicht das es mir ums Geld ginge, aber....ehm...(schwitz)...
- ....wie ist dieser Beruf denn so bezahlt? Also, ja sicher nicht bei allen gleich gut....aber so die Schriftsteller auf Ihrer Ebene?
- Und muss man viel schreiben?
- Man muß sich von dem Gedanken befreien, daß Schriftstellerei so etwas wie die Tür zum Garten Eden darstellt.
- Für mich selbst habe ich außer meiner Magisterarbeit kaum etwas geschrieben, dass mich über Tage oder Wochen hinweg in die Sozialarmut hinter meinem Schreibtisch zwang.
Wie hatten Sie sich Ihre Schriftsteller Karriere ganz zu Anfang vorgestellt? Dachten Sie, Sie würden so reich werden wie die Rowling? Und würden Sie dann weiterhin Romane schreiben?- Früher habe ich gern geschrieben und nicht schlecht. Bis ich eines Tages eine "Entdeckung" gemacht hatte, dass viele (wenn nicht alle)
Schriftsteller leiden an Depressionen oder Disharmonien im geistigen Bereich, viele enden das Leben per Selbstmord etc, darunter auch ganz grosse und gute Schriftsteller. Warum ist das so? Kann man durch das Schreiben geistig "durchdrehen"?
Ich verstehe nicht, weshalb manche Schriftsteller erfolgreich sind. Kann man in der heutigen Zeit eigentlich noch davon leben, Lyrik zu veröffentlichen? Was halten Sie von Schreibwettbewerben? Ich habe mit Kurzgeschichten an zwei Schreibausschreibungen teilgenommen. Hätte ich mir die Mühe vielleicht sparen sollen? Kann man sich als Schriftsteller weitestgehend schadlos (für die Karriere!?!?) von Lesungen fernhalten? Wie würde ein professioneller Agent auf die Einstellung des Autors, keine Lesungen abzuhalten, reagieren? Eigentlich sollte ja das geschriebene Wort im Vordergrund stehen, oder? Nicht der Autor. Wie wichtig sind Lesungen? Gibt es am Ende sogar eine Art "moralische Verpflichtung" dazu gegenüber sich selbst? Da ich ein eher "schwieriger" Mensch bin und zu einer Art Sozialphobie neige, könnte ich mir niemals vorstellen, eine Lesung zu halten oder Bücher zu signieren. Sind dies nun Dinge die man als Schriftsteller tun m u s s und gehört das zwangsläufig zu den Werbestrategien der Verlage oder geht es auch ohne diese Aktionen? Es ist immer wieder schön etwas über Autoren zu erfahren deren Bücher
man mag. Jedoch gibt es sicherlich auch Autoren die möchten das Ihre
Bücher losgelöst vom Urheber gesehen werden. Was macht man, wenn man mehrere Talente hat und sich nicht entscheiden kann? Aber es bereichert denjenigen, mehrere Talente zu haben und diese entsprechend verfolgen zu können. Davon profitiert dann auch die Arbeit an sich, da sie ja auch miteinander verbunden werden können. Ich habe es mir gegönnt, mein Buch in einem Zuschußverlag zu veröffentlichen, um herauszufinden, ob ich so schreiben kann, dass es Leuten gefällt und sich damit Geld verdienen lässt, oder eben nicht, dann mach ich meinen Beruf weiter, den ich mit Liebe und Begeisterung gelernt habe und eh weitermachen würde (ich muß, es treibt mich)... Hat man als Neuling nicht eine bessere Chance, wenn man versucht, für eine Serie zu schreiben, statt einen einzigen Roman zu publizieren, an dem man ein oder zwei Jahre gearbeitet hat (und schließlich interessiert sich doch keiner dafür) ? Ich würde mich sehr gerne nach meinen Abiturprüfungen (nächste und übernächste Woche) intensiver damit befassen, meinen Schreibstil zu verbessern, aber weiss noch nicht, wie?! Ist der Weg, klein zu beginnen und immer längere und komplexere Werke zu schreiben, empfehlenswert? Ich fragte mich, wie das als Autor mit dem Thema "Rufschädigung" steht. Kann man da Probleme kriegen, wenn man zB. die Kirche oder andere große Institutionen anders darstellt, als die Institution das gerne sehen würde? Was würden Sie dem jungen, natürlich aufstrebenden und lernwilligen Jungautor ;) für seine Webseite empfehlen? Ich überlege derzeit nämlich noch, ob und wieviele Texte ich zum Lesen zur Verfügung stellen sollte oder könnte, Ihre Meinung zu dem Thema würde mich sehr interessieren. Gibt es noch irgendwelche geheimen Dinge, auf die man beim Schreiben achten muß, oder hat King anfangs einen echten Renner geschrieben und verkauft jetzt durch seinen Namen? Eine ehrliche Einschätzung, was meine Zukunft in Verbindung mit der Chance zu schreiben betrifft, wäre für mich von sehr großer Bedeutung. Ich würde gerne wissen, ob jemand, der nicht Literatur studiert oder wie auch immer in seinem Lebenslauf diesbezüglich nichts vorweisen kann, überhaupt ernst genommen wird? Welche Talente sollte man haben, um ein professioneller Schriftsteller werden zu können? Ich würde gern nur noch schreiben. Aber das kann ich eben nur 100%ig machen, wenn der Erfolg etwas höher
steigt... nicht ins Gehirn, sondern auf der Verkaufsskala. Sie schreiben: "Ich glaube, daß es kein Zufall ist, daß einem zum Thema ´schriftstellernder Literaturwissenschaftler´ keine Namen einfallen wollen." Also mir fallen zwei ein, recht bedeutende sogar: Umberto Eco und J.M. Coetzee. Letzterer jüngst auch noch mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Na gut, da legt man wohl nicht nur literarische Maßstäbe sondern wohl auch politische an, aber immerhin. Ich denke schon, dass man Literaturwissenschaften studieren/unterrichten und gleichzeitig gut schreiben kann; man darf sich nur nicht "erdrücken" lassen und sehr bedeutende Texte zu ernst nehmen, denn häufig sind sie das gar nicht...
www.AndreasEschbach.com
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