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Ü b e r d a s S c h r e i b e n
Wie man mit einem Verlag zusammenarbeitet
- Es heißt, Lektoren können nur noch selten 'klassische' Lektorenaufgaben wahrnehmen. Sie sind vielmehr zu Produktmanagern geworden und können kaum noch Zeit für die individuelle Betreuung eines Manuskriptes/Autoren aufwenden. Stimmt das? Wie sind Ihre Erfahrungen? Hatten Sie für Ihre beiden Bücher einen einzigen Lektor, der Sie betreut hat, Ihnen Tips gegeben hat, Sie beim Ausfeilen unterstützt hat?
- Haben Sie Ihre Cover selbst vorgeschlagen, ausgesucht, Mitspracherecht gehabt?
- Wurden Ihnen für die Fertigstellung/Überarbeitung des Manuskriptes Termingrenzen gesetzt? Falls ja, konnten Sie diesen Zeitplan einhalten? Wie reagieren Verlage, wenn dieser Zeitplan nicht eingehalten wird?
- Ein Verlag will ein Exposé des Romanes, den ich eingereicht habe, von mir. Wieviel sollte ich schreiben und sollte ich Exposé zusätzlich als Titel darüber schreiben?
- Das heißt, BEVOR Sie anfangen zu schreiben, unterbreiten Sie schon die Vorschläge und wagen sich dann erst an das Werk, wenn Sie so eine Art Go haben?
Würde ich irgendwelche Rechte verletzen, wenn ich den Text (oder nur einen Teil davon) eines Liedes einer sehr bekannten Band in mein Buch aufnehme? Es handelt sich um eine Übersetzung, das Lied ist kaum wieder zu erkennen. Ich glaube in dem Fall braucht man keine Rechte
für diesen Text zu erwerben. Wenn aber doch, dann sollte der Verlag selbst darauf kommen... Ein großer Verlag will meinen ersten Roman veröffentlichen, aber bei meinem Pech nicht einfach so, ich solle ihn doch bitte umschreiben, weil es für einen Briefroman zur Zeit keinen Markt gibt. Ich würde es gerne tun, aber für das Umschreiben wollen die keinen Vorschuss zahlen, weil sie nicht wissen können ob mir das gelingt, andererseits, ich muß meine Miete zahlen! Können Sie nicht zu Ihrem Verlag oder Verlagslektor gehen und die überzeugen, dass es zur Zeit einen riesigen Markt für Briefromane gibt? Wie halten Sie es mit der Rechtschreibe - Reform die sicherlich viele Schreibende verwirrt und wie gehen die Verlage damit um? Wie gehen Sie mit Kürzungen um? Als Beispiel der Roman " American Psycho" von Brett Easton Ellis, dessen deutsche Ausgabe wegen einigen expliziten Gewaltdarstellungen gekürzt wurde. Ein anderes Beispiel wäre die Art der Darstellung von sexuellen Handlungen
Wenn man nun als Verfasser davon überzeugt ist, daß solche Dinge als Bestandteile der Story unabdingbar notwendig sind? Muß man hinnehmen, seine Geschichte "verstümmeln" zu lassen? Kann man "bildhaft" schockierend schreiben (wenn man es als nötig
empfindet) ohne zensiert zu werden? Für mich ist wichtig, dass an meinem Manuskript kein Lektor "herumwurstelt" ohne mein Einverständnis, d.h. die Änderungen möchte ich selber machen. Habe ich dazu eine Handhabung im Verlagsvertrag oder wie kann ich dies sicherstellen? Können Sie mir erklären, was genau Druckfahnen sind? Vor einigen Monaten nahm ich telefonisch Kontakt mit einem Redakteur auf wegen Mitwirkung als Autor im Bereich Heftroman. Zu jener Zeit war eine neues Heft/ Serie geplant. Ich schrieb eine Story dafür und reichte sie ein. Ein Monat später telefonierte ich kurz mit dem Redakteur und hörte, dass ich eine Chance hätte, dass die Story genommen wird. Doch seitdem habe ich nichts mehr gehört, was mich milde ausgedrückt etwas irritiert - immerhin fast ein halbes Jahr. Ist das normal im Verlagswesen, oder nur Zufall? Wie würden Sie sich verhalten? Was macht man, wenn der Verlag eine Änderung verlangt, mit der man nicht einverstanden ist? Den Vertrag künden? Muss eine Kündigungsmöglichkeit definiert sein? Was ist hier üblich? Wenn nun der Autor mit einigen vom Lektor verlangten gravierenden Änderungen
nicht einverstanden ist und man kein Einvernehmen finden kann, dann könnte
sich also der Verlag weigern, das Buch zu drucken. Was geschieht in einem
solchen Fall? Wird dann das Buch niemals erscheinen? Kann ich als Autor in
diesem Fall vom Verlagsvertrag zurücktreten und mit einem anderen Verlag
abschliessen? Inzwischen habe ich von anderen Jungautoren gehört, dass es durchaus üblich sei, bevor Verlage sich für einen Vertrag entscheiden, den Autor einen Marketingplan ausfüllen zu lassen, in dem der Autor darlegen muss, was er selbst zur Vermarktung seines Buches tun will. Stimmt das und wie kann man sich davor schützen? Sie weisen darauf hin, dass das Urheberrecht den Autor davor schützt, dass
das Manuskript ohne seine Einwilligung geändert wird. Wissen Sie, ob dies
ebenso für das Schweizerische Urheberrecht gilt? Nach dem Lektorat meines Romans ist der Text, die Wortwahl, sind die Satzstellungen nun ganz anders - es ist nicht mehr mein Text, nicht meine Schreibweise, nicht mein Stil. Was soll ich tun? Frey schreibt, dass Lektoren meistens verhinderte Schriftsteller sind. Ich kenne das aus dem Journalismus (wo ich oft Texte anderer redigieren muss) - auch dort hat man das Gefühl, dass Chefs vom Dienst den Autoren ihren eigenen Stil aufzwängen bzw. durch Änderungen ihre Existenzberechtigung unter Beweis stellen wollen. Ich frage mich z.B. wirklich, welchen Sinn es macht, dass meine Lektorin tausend Änderungen macht wie "grübelte" statt "überlegte" oder "murmelte" statt "flüsterte" oder so ähnlich. Als Anfänger nehme ich das meist klaglos hin, weil mein Herz nicht am Wort "überlegte" hängt. Und fairerweise sei gesagt, dass sie auch viele Ungereimtheiten und Fehler aufgespürt hat.
www.AndreasEschbach.com
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