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Ü b e r d a s S c h r e i b e n
Wie man mit Ablehnungen umgeht
Ich weiss nicht, ob die Ablehnung meines Romanes nicht vielleicht ein starker Schlag auf mein Selbstbewusstsein ist, den ich in
dieser Beziehung nicht wegstecke.- Sicher ist es vor allem wichtig sich klarzumachen, daß nur dieses Manuskript abgelehnt wird, nicht der Autor selbst.
Was heißt es, wenn mir ein Verlag auf meine Anfrage/Leseprobe mitteilt, dass die Planung für Buchveröffentlichungen für die nächsten vier Jahre festgelegt sei und man bedauere usw.? Warum haben die Verlage Angst davor, zu schreiben, wie es wirklich steht? Mich hätte so einen Satz wie "Wir hatten ihren Romanprojekt in die engere Auswahl gehabt" enorm motiviert. Ich habe mittlerweile 28 Absagen von renommierten oder auch weniger renommierten Verlagen bekommen - und das sind nur die, die auf die Zusendung meines Manuskripts geantwortet haben. Verschickt habe ich es schon an die 40 mal, wobei die Verlagslandschaft noch
längst nicht abgegrast ist. Ist das Verlagswesen so in den Knien, dass man sich nicht mehr auf junge, viel versprechende Autoren einlassen will? Will kein Verlag mehr was riskieren? Ich habe leider einige Absagen bekommen, dass die Themen meiner Bücher zwar klasse sind, auch mein Schreibstil toll - nur leider viele Gedankengänge oder Handlungen absolut zu kurz kommen bzw. abgehandelt sind. Bis heute ist es mir nicht gelungen, auch nur bei einem einzigen Verlag, gleich welcher Größe, eine informative Ablehnung meiner Manuskripte zu erhalten aus denen ersichtlich wird, ob und welche Manuskripte deutschsprachiger Autoren überhaupt nachgefragt werden. Kontaktaufnahmen via Internet verlaufen meiner Erfahrung nach in einer Richtung. Bringt es Ihres Erachtens etwas, wenn man z.B. bei einer Standard-Absage durch einen Verlag beim Lektor persönlich nachfrägt, um einen aussagekräftigen Feedback zu erhalten oder ist eher davon abzuraten (will auch heissen, Lektor/in reagiert vielleicht unwirsch, da er aufgrund seiner Absage nicht mehr über dieses Manuskript sprechen will oder sich ob der eingegangenen Flut auch nicht mehr richtig daran zu erinnern vermag). Ich habe, nachdem ich in den Lektoraten angerufen hatte (und meistens nicht über die Sekretätin hinaus kam), eine Synopsis und 50 Seiten Manuskriptauszug an diverse Verlage geschickt. Ein seriöser Verlag hat mir tatsächlich eine Antwort geschickt, verbunden mit der Bitte das gesamte Manuskript einzureichen, weil man es "eingehender prüfen" wollte. Nun erreicht mich neuerdings von diesem Verlage ein Absage (Standardfloskeln), die mich doch etwas irritiert. Dort steht nämlich u.a.: "Leider hat unsere Prüfung ergeben, dass sich Ihr Vorhaben nicht in unsere laufende Programmplanung und in die Felder, auf denen wir verlegerisch tätig sind, einfügen lässt." Mal abgesehen davon, dass dieser Verlag Bücher zu "meinem Thema" verlegt, ist das doch wirklich ziemlich arrogant, einen Schreiber, der sich die ganze Mühe machte mit der angeforderter Manuskripteinsendung auf diese Art und Weise abzuspeisen. Ist das wirklich "Standardstil" der Verlage? Einer dieser Großverlage schickte mir nach zwei Wochen ein Schreiben, in dem sie ihre Freude darüber schilderten, dass ich mich ausgerechnet an sie gewandt hatte u.s.w. Dennoch baten sie mich um etwas Geduld. Zwei Monate später kam dann doch eine Absage. Die Lektorin schrieb mir, sie hätten mein Expose mit großem Interesse gelesen, dennoch würde das Thema nicht zu ihnen passen, da sie nur Buchreihen und nicht einzelnen erzählenden Romane im Programm hätten. Ich frage mich ob das nur eine Standardabsage war oder ob ich doch in die engere Auswahl gekommen war.- Ich mußte mehr als ein Jahr warten, bis ich eine Antwort enthielt, die - wie erwartet - dann auch ablehnend ausfiel. Allerdings hat der Begutachter sich diesen Schritt nach seinen Angaben lange überlegt und sich mit der Ablehnung schwer getan. Er hat den Roman offensichtlich von Anfang bis Ende gelesen und fand viele lobende Worte, aber auch konstruktive Kritik, was die Charakterzeichnung der Figuren betraf. Ich habe aus dem Brief geschlossen, daß es durchaus Chancen für den Roman gibt.
Wie lange kann eine Überprüfung der sog. Leseprobe dauern?- Meine Leseprobe liegt im Verlag vor. Bin ich einen Schritt weitergekommen, wenn es schon mal jemand überhaupt prüft?
- Theoretisch könnten sie die Leseprobe ja nach der ersten Seite in den Müll wandern lassen.
Gibt es noch den Geheimtipp oder ist der insolvent? Ich habe eine Absage bekommen, über die ich mich gefreut habe! :-)) Der Verlag meinte, dass ihm das Buch sehr gut gefallen hat und dass ihn die Hauptfiguren nachdrücklich beeindruckt haben. Er hat das Buch aber nicht angenommen, weil es zu nah an der Realität sei, es fehle die "literarische Distanz und Verarbeitung des Themas".- Allerdings könnten größere Verlage aus dem gleichen Grund (mangelnder Bekanntheitsgrad des Autors) ebenfalls die Manuskripte ablehnen.
- Das Verzweifeln an den Verlagen und Lektoren, den oft dümmlichen, ignoranten, besserwisserischen Aussagen, die man bekommt... wenn man überhaupt welche bekommt...
www.AndreasEschbach.com
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