Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach

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Andreas Eschbach
Ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Wie man einen Verlag sucht*

Sascha Mamczak, seines Zeichens Lektor für SF beim Heyne-Verlag, hat (mindestens) einmal anläßlich einer Podiumsdiskussion einen Satz gesagt, den auch ich unterschreiben würde, nämlich: "Die meisten Autoren verwenden zu viel Mühe auf die Suche nach einem Verlag und zu wenig Mühe darauf, ein gutes Buch zu schreiben."

Faustregel: Suchen Sie erst dann nach einem Verlag, wenn Ihr erstes Buch fertig ist.

Wann ist es fertig? Hier möchte ich eine wundervolle Beschreibung der amerikanischen Thrillerautorin Caroly Wheat zitieren:

Was ist "fertig?"

Sie haben es mindestens dreimal in Fetzen gerissen. Sie haben es in kleinen Stapeln im Flur ausgelegt und fiebrig Blätter von einem zu einem anderen Stapel verschoben. Sie haben ausgeschnitten und eingefügt, Notizen für die Überarbeitung in mindestens vier verschiedenen Farben gemacht, Sie haben es allen Ihren Freunden gezeigt und deren brauchbare Vorschläge in Ihre Überarbeitung einbezogen. Sie haben die Spannungsbögen überarbeitet und mit der Einteilung in Kapitel experimentiert und die zähen Stellen aus dem Mittelteil wegbekommen. Sie haben das Ende ausgebaut und den Anfang gekürzt. Sie haben jeder Romanfigur eine Funktion gegeben und alle Subplots so miteinander verwoben, daß nichts mehr grundlos einfach da ist.

Sie haben den Text so oft überarbeitet, daß Sie das erste Kapitel im Schlaf hersagen könnten. Sie haben Adjektive gestrichen, schwache Verben durch stärkere ersetzt und allgemeine Substantive durch spezifische. Alle Ihre Metaphern sind jetzt wohlüberlegt, und die Dialoge sind so, daß man die Stimmen förmlich hören kann. Da ist kein Gramm Fett mehr in Ihrer knappen, präzisen Prosa, und der Titel des Buches ist ein Kunstwerk für sich.

Sie haben den Text auf Fehler geprüft, sowohl mit der Rechtschreibprüfung des Textprogramms als auch, indem Sie den Text wieder und wieder auf Grammatikfehler und falsch gesetzte Satzzeichen durchgesehen haben. Jemand hat das Manuskript korrekturgelesen, und Sie haben alles, was er gefunden hat, in der Datei korrigiert, ehe Sie den Roman ausgedruckt haben.

Und so liegt vor Ihnen nun ein der saubere, ordentliche Ausdruck eines Textes, der nach menschlichen Maßstäben absolut und endgültig perfekt ist.

Sie beginnen zu lesen.

Sie sagen sich, Sie tun es, weil Sie einfach noch einmal nachsehen wollen, ob Sie wirklich nichts übersehen haben - aber das ist nicht wahr.

Sie lesen es noch einmal, weil es so verdammt gut ist.

Das, meine Freunde, ist "fertig".

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.


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