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Ü b e r d a s S c h r e i b e n
Wie man seinen Text überarbeitet
- Ist es wichtig, einen Text ruhen zu lassen?
- Und was passiert, wenn ich es zu lange ruhen lasse? Vielleicht habe ich dann den Faden total verloren und muß alles nochmal schreiben.
- Bei mir ruhte mal etwas so lange, bis ich keine Lust mehr hatte, es zu schreiben.
- Wenn ich eine Geschichte zu lange ruhen lasse, fällt es mir schwer, den Einstieg wieder zu finden. Andererseits ist etwas Abstand immer ganz gut. Was machen Sie in so einem Fall?
- Können Sie sich leicht von frisch geschriebenen Sachen distanzieren?
- Wenn Sie etwas geschrieben haben, lassen Sie das erst mal eine(n) Freund(in) lesen, um eine erste Reaktion zu bekommen?
- Wenn ja, wie reagieren Sie auf Kritik? Auf Verbesserungsvorschläge?
- Merken Sie auch manchmal, daß Sie Lieblingsworte" haben, die Sie immer wieder verwenden?
- Ich glaube mein Problem liegt eher darin, dass ich manchmal nicht genau weiss, wo ich den Hebel ansetzen soll, um etwas von mir Geschriebenes so umzuarbeiten, dass es mir gefaellt.
- Aber ein Autor ist doch Leser und Autor in einer Person und sollte deshalb
doch viel konstruktiver kritisieren können als ein normaler Leser.
- Aber können gute Leser nicht auch konstruktiv kritisieren, einem sagen, was fehlt oder was man anders machen könnte?
- Was ich mich frage ist, wie gewinnt man das Vertrauen in seine Worte? Wann weiß man, es ist so gut, wie es sein soll? Als Perfektionist kann ich bis ans Ende meiner Tage an einem Buch feilen.
- Ich brauche es, am Ball zu bleiben und vor allem einfach draufloszuschreiben. Korrigieren kann man hinterher immer.
- Warum sollten Sie "Die Haarteppichknüpfer" erweitern?
- Hatten Sie nicht das Gefühl, daß die Story dadurch an Authentizität verliert?
- Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen: etwas zweimal zu schreiben.
- Wenn man eine Geschichte zu Ende erzählt hat, ist doch eigentlich alles gesagt.
- Wie schreiben Sie eine zweite Fassung? Normalerweise läuft das ja so ab: Erste Fassung ausdrucken, ruhen lassen, mit einem Rotstift durchgehen, Änderungen in die Computerdatei einfügen. Oder lieber alles nochmal abtippen? Kommt das darauf an, wie gut oder schlecht die erste Fassung geworden ist?
- Allerdings schreibe ich nur hobbymäßig. Mir liegt nichts daran, damit Geld zu verdienen, deshalb habe ich auch keine Lust, mich so richtig hineinzuhängen.
Wo finde ich jemanden, der bereit ist, sich intensiv mit meinem Buch auseinander zu setzen, ohne dabei seine neutrale Meinung zu verlieren? Geht das anderen Autoren auch so, dass sie ihr Manuskript irgendwann nimmer sehen oder lesen können? Nichts mehr davon/darüber hören wollen, ohne nicht mindestens 3 Monate völliger Ruhe vor dem "prinzipiell abgehakten" Ding? Ganz ehrlich, ich kann mein eigenes Buch schon nimmer leiden sozusagen. Dabei waren das nur 162 Seiten, der nächste ist schon jetzt dicker - wie wird es da? Mir stellt sich da die Frage: Soll ich es nun wirklich rausbringen lassen, wenn ich's schon selber nicht mehr lesen will, oder ist das nur sowas wie Übersättigung durch zuviel Wiederholung. Ich kann es bald auswendig. Bekommen Sie Ihre Texte lektoriert oder haben Sie auch jemand, der drübersieht? Nutzen Sie Lektorenbüros oder ist das nicht üblich? Nachdem ich im Urlaub in Ruhe über den ersten Teil meines Romanes nachgedacht habe, kam ich zu dem Schluss, dass eine ganze Menge geändert werden muss. Jetzt stellt sich die Frage, ob ich gleich das, was ich schon geschrieben habe, überarbeite, oder den Roman erst einmal zu Ende schreibe. Die Sofort-Überarbeitung scheint mir gefährlich, weil das ja praktisch einen Abbruch darstellt - allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mit den Verbesserungsansätzen im Hinterkopf vernünftig fertig schreiben kann. Irgendwie habe ich das feeling dafür verloren, was überhaupt noch gut und schlecht ist und ob ich in einer Überarbeituung die Sache wirklich verbessere und nicht verschlimmbessere. Ich wünsche mir einen Lektor, der mit mir die Sache durchgeht und mich korrigiert.Ich habe eine meiner Geschichten einem bekannten Autor geschickt, der mir auf dem X-Con versprochen hatte, sie sich anzusehen, aber ich habe von dem auch nichts mehr gehört. Wer aber, wenn nicht die Erfahrenen, soll einem Unerfahrenen weiter helfen? Soll man seinen Roman nur 1 Mal überarbeiten, oder öfter? Und, kann bei zu
oftem Überarbeite nicht mehr Schaden angerichtet werden, als man ihm Gutes
tut? Wie urteilt ein Lektor beim Lesen über eventuelle Rechtschreib- bzw. Kommafehler?- Welche Tips gibt es noch, wie man ein Manuskript 'polieren' kann?
Ich weiß nicht, wie und wo ich mit dem Korrigieren anfangen soll. Es mag merkwürdig klingen, aber mir scheint, ich habe Angst vor einer Kritik - gleich, ob gut oder schlecht. Ihre aufgeräumten Statements waren mir eine /wenn auch gefährlich schaukelnde/Hängebrücke über eine der unzähligen
Schluchten, die den Pfad zum Erstlingswerk so kreuzen können.
Dabei scheint wohl jeder Debütant seinem ureigensten und intimsten Abgrund zu begegnen.
Nun - der meine nannte sich wohl Ungeduld.
Ungeduld gegen das eigene Werk und die Annahme, es mit der zweiten Fassung bewenden zu lassen, bevor sie ihren Weg zum Postschalter nimmt. Eine Freundin hat mein Manuskript gelesen, und meinte, es hätte ihr aus der Seele gesprochen. Endlich habe ich meinen Roman fertig. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass er noch einiger Verbesserungen bedarf, ehe ich ihn Verlagen anbiete.
www.AndreasEschbach.com
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