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Ü b e r d a s S c h r e i b e n
Wie man einen Roman bis zu Ende schreibt
- In den letzten Jahren war ich immer gut ausgelastet. Ich habe zwei Kinder, vor zwei Jahren mit dem Hausbau begonnen. Seit August leben wir dort, aber es ist noch lange nicht alles fertig. D.h. ich hatte nicht soviel Zeit um mich nebenher der Schriftstellerei zu widmen.
- Dummerweise wechsle ich zu schnell zwischen den einzelnen laufenden Projekten, weil die Ideen zu schnell kommen. So ist mein 'Stories'-Ordner angefüllt mit unfertigen Anfängen.
- Ich hoffe auf einen Tipp Ihrerseits, wie ich meine kreativen Tintenfischarme in den "Griff bekomme".
- Es macht mir Spaß zu schreiben und mich mit Texten zu beschäftigen, mir Geschichten auszudenken und so weiter, ich habe auch schon einige Story-Experimente gewagt, Ideen gewälzt, es dann aber meistens bei einer Gliederung belassen, nur wenige sind zu einem "richtigen" mehr schlechten als rechten Text herangereift - aber das ist nicht der Punkt, da muss ich mich noch selber überwinden und einfach mehr schreiben.
- Sie haben mir geraten, ein Werk von 400 Seiten Länge zu schaffen, das ich jemandem vorlegen kann. Aber ich fühle mich nicht dazu in der Lage, das durchzuhalten. Ich habe schon öfters versucht, einen Roman zu schreiben; habe ein Stufendiagramm geschrieben, bis es meinen Ansprüchen genügte, die Figuren ausgearbeitet, und als ich dann anfing zu schreiben, verlor ich nach zwei, drei Tagen die Lust und die Motivation. Es war nicht einmal schlecht, was ich geschrieben hatte, aber ich kam zu dem Schluß, dass es besser wäre, eine veröffentlichte Kurzgeschichte, oder auch zwei oder drei oder vier, zu haben, zur Selbstbestätigung. Dann kann ich sagen: "Jawohl, ich habe das geschafft - jetzt schaffe ich auch einen Roman." Auch, weil mein Umfeld dann (hoffentlich) akzeptiert, was ich da mache. Können Sie das nachvollziehen?
Vor etwa zwei Monaten habe ich mein erstes Buch fertiggestellt, an dem ich zwei Jahre lang geschrieben habe. Zu meiner eigenen Überraschung löste dieser langersehnte Moment nicht etwa das vollkommene Glücksgefühl in mir aus, wie ich es eigentlich erwartet hatte - ich fühlte eher eine innere Leere und ein Gefühl der Trauer. Ich habe solche Angst, dass mir nichts mehr einfallen wird, dass ich wie erstarrt bin und - natürlich - keinen einzigen kreativen Gedanken fassen kann. Kennen Sie dieses Gefühl?- Sie sprachen von einer Höchstlänge für Anfängerromane. Gibt es auch eine Mindestlänge? Wann ist es zu kurz? An Ihre Umfänge komme ich nämlich bei weitem nicht ran, ich erreiche gerade mal die Hälfte.
Wie lange brauchen Sie, von der Idee bis zum fertigen Entwurf, bis Sie eine Kurzgeschichte geschrieben haben? Ich bin 15 und sozusagen, eine Kollegin. *lächel* Seit ungefähr vier oder fünf Jahren schreibe ich. Zwei Romane habe ich abgeschlossen, aber seitdem kein einziges Buch mehr. Hunderte Manuskripte habe ich schon angefangen, bin bis zur Hälfte gekommen und habe dann wieder an etwas anderem gearbeitet oder den Entwurf einfach gelöscht. Obwohl ich genau weiss, dass mir das Schreiben im Blut liegt und ich nichts lieber tun würde als tagein, tagaus zu texten, habe ich keine Durchhaltevermögen. Ich weiss nicht wie ich es fertigbringen soll, endlich etwas zu beenden. Es ist als würde ich nach der perfekten Idee für ein Manuskript suchen und mich mit jedem Versuch mehr davon entfernen. Haben sie vielleicht einen Rat für mich? Wie schaffen sie es, ein Buch zu beenden ohne mittendrin
aufzugeben? Ich bin in einer verzweifelten Lage: Es gibt Augenblicke, da fällt mir plötzlich etwas neues ein, ein Grundthema zu einer längeren Geschichte zum Beispiel. So, und jetzt geht es an das Planen. Aber kaum habe ich etwas skizziert, merke ich, dass sich die Geschichte im Kreis dreht und mir und dem Leser nichts zu sagen hat. Kurz: Sie ist einfach nur langweilig. Dann verwerfe ich das Thema wieder und es dauert nicht lange (wenn es nicht sogar schon passiert ist) und ich habe eine neue Idee, an deren Planung ich mich mache. Wieder zu uninteressant, also weg damit... So geht das nun schon eine ganze Zeit, zum Schreiben selbst bin ich noch nie gekommen. Ich glaube es scheitert vornehmlich an meinen sehr vorhersehbaren Handlungssträngen, denen die Nebenhandlungen fehlen. Vielleicht bin ich auch nicht kreativ genug. Schreiben macht mir, in jeder Form, viel Spaß, aber ein sehr großes Problem sind meine Selbstzweifel. Da sind es insbesondere die Zweifel an der Originalität meiner Ideen... Ich gehe immer strukturiert vor, arbeite eine Idee aus, bin auch überzeugt vom Konzept. Dann, bei Seite 40 etwa, denke ich: "Wieso schreibst du das....genau DARÜBER hat doch XY bereits geschrieben.....ein absolut ausgelutschtes Thema....grauenvoll......." Ich bin 16 und habe schon so viele Bücher begonnen zu schreiben, habe immer so gute Ideen und Vorstellungen. Dann komme ich auf Seite 10 oder so und finde keine Zeit mehr. Vor einigen Jahren hatte ich eine grandiose Idee. Oder besser gesagt war es gar keine Idee, sondern ich schrieb wie in Trance, die ersten 20 Seiten flossen mir nur so aus den Fingern. Es war, als würde jemand in mein Ohr flüstern und mir die Story diktieren. Ich kann mich nicht erinnern, über das nachgedacht zu haben, was ich eigentlich schreibe. Sie werden wissen was jetzt kommt: richtig! Jetzt schreiben wir 2003 und ich bin immer noch nicht weiter. Mittlerweile ist die Story von 20 auf 30 Seiten angewachsen, aber es "fliest" nicht mehr so richtig und es wäre eine richtige Anstrengung, weiter daran zu schreiben. Das Problem ist nur: in meinem Kopf ist die Geschichte bereits fertig. Die ganze Handlung, die verschiedenen Szenen, Dialoge...alles schon da. Nur bringe ich es nicht fertig, dies auch niederzuschreiben. Denn das wäre Arbeit und kein Vergnügen mehr. Was würden Sie mir in dieser Situation raten?
www.AndreasEschbach.com
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