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Ü b e r d a s S c h r e i b e n
Wie man GUT schreibt*
Die Frage aller Fragen - und sie wird viel zu selten gestellt.
- Wie schreibt man gut?
- Ich denke die Frage "Wie schreibt man GUT?" ist für mich nicht mit konkreten Ratschlägen "gut schreibt man so und so" zu beantworten.
- Das Ergebnis, was 'gute Arbeit' ist, ist eindeutiger. Bei Geschriebenem läßt sich diese Grenze nicht so leicht ziehen, oder?
- Gibt es Grundlagen, die man beim Schreiben eines Romans/einer Kurzgeschichte/eines Artikels/ einer Satire stets beachten sollte?
- In der Beurteilung, daß etwas nicht gut klingt tue ich mich relativ leicht. Das Problem ist dann "nur", eine bessere Version zu finden!
- Ich denke, gut zu schreiben ist vor allem harte Arbeit.
- Ich fand die Bemerkung, daß das Lehrgeld, um das Schreiben in einem bestimmten Gebiet zu erlernen, 100.000 Worte beträgt, interessant.
- Peter Eisenhardt skizziert seine Geschichten auf großen Packpapierbögen und Tafeln. Machen Sie das in Wirklichkeit auch? Ich habe es bei meinem aktuellen Roman versucht, hatte jedoch Probleme hierbei ein System zu entwickeln.
- Wie ist das eigentlich mit den Regeln, die man für journalistische Texte lernt, wie etwa nicht zu lange Sätze zu bauen (15 Worte; der hier ist schon viel zu lang), passive Konstruktionen zu vermeiden, kann man das auf Fiction übertragen?
- In Ihrer Rezension zu "Writing down the bones" schreiben Sie, dass sie sofort mit der einzigen Übung begonnen haben, die in diesem Buch vorkommt. Nämlich dem Schreiben. Was haben Sie in dieser Phase geschrieben? Kurze Geschichten? Gleich einen Roman? Oder einfach nur "the worst junk in the world"?
- Da gibt es Regeln, die völliger Schwachsinn sind (schreibe nie in der ersten Person), die aber angeblich vom sogenannten Markt verlangt werden.
- Wie stehen Sie zu der Adjektiv-Problematik? Zensieren sie ihre Adjektive, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie zu viele einsetzen oder sagen Sie: ich will dieses Adjektiv (oder Adverb) hier und jetzt und dabei bleibt es, egal, ob es eine Häufung gibt?
- Es gibt bestimmte Kriterien, die man immer wieder hört und die jeder Editor und Agent wiederkäut, ob er nun Ahnung vom Schreiben hat oder nicht. James Frey hat diesen Diskurs auch für das deutsche Publikum zusammengefasst.
- Was halten Sie von Reich-Ranickis Aussage, daß nur EIN Buch einen Umfang
von mehr als fünfhundert Seiten rechtfertigt, nämlich das Telefonbuch?
- Wer sagt eigentlich, dass man Romane nicht aus der ersten Person schreiben sollte?
- Beschreiben Sie grundsätzlich alles von "außen nach innen", vom "Groben zum Detail" oder beschreiben Sie auch hier wieder nur je nach Bedarf und Notwendigkeit und eher spärlich?
- Sich in einer Fremdsprache auszudrücken, lernt man auch nur dadurch am besten, daß man sie spricht. Ohne sich ständig um grammatikalische Regeln zu bemühen, oder Sorgen zu machen, ob der Ausdruck auch 100%ig stimmt. Die Übung macht's, wie überall.
Ich habe in James Frey`s Buch "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" gelesen, dass man die Ich-Erzählung in seinem Erstlingswerk vermeiden sollte. Nun habe ich schon ca. 50 Seiten geschrieben, eben in genau dieser Form. Es ist zwar wahrscheinlich kein allzugrosser Aufwand, das nochmal umzuschreiben, aber blöd ist es schon. Mein Lektor bemängelte in einem Satz einen Reim, den ich aber absichtlich plaziert hatte. Sind Reime in Prosa generell nicht ratsam? Ich weiß durch meine Tätigkeit als Spielleiter, dass es mir nicht an Kreativität mangelt... Ich versuche eine Reihe von Wörtern, darunter "man", "ganz", "einmal", "gerade" etc. - also zweideutige Wörter, zu vermeiden. Sie sagen, in der Wahrnehmung des Publikums könnten heute deutsche SF-Romane meistens nicht mit der internationalen Konkurrenz mithalten können, was Stil, Sprache und allgemein Handwerkliches anbelangt. Woher kommt das? Ich verstehe nicht, wieso die englischsprachigen Autoren das bessere Werkzeug haben sollten. Gibt es da konkrete Beispiele? Ist vielleicht ihre Sprache grundsätzlich mächtiger? In meinem Kopf läuft die Geschichte schneller ab und entwickelt sich weiter als ich sie zu Papier bringen kann. Meine Phantasie läuft auf Hochtouren. Wo beginne ich? Könnte ich die Geschichte die abläuft auf Band sprechen und dann in weniger "kreativen" Minuten zu Papier bringen? Geht da nicht das gewisse Etwas verloren? Übrigens habe ich neulich in einer Zeitschrift eine interessante Geschichte gelesen, wie man heutzutage Bestseller macht. Über die Wahrscheinlich-erkennt-man-nur-mein-schriftstellerisches-Genie-nicht-Ego-Phase
bin ich schon hinweg, gleichermaßen über die Sache mit dem Glück. Nun
denke ich, daß meine Geschichte einfach nur schlecht ist. Nicht schlecht im
Sinne von keine Story, flacher Protagonist, Logik- und Grammatikfehler en
mass, sondern schlecht, weil zu sehr für mich selbst geschrieben. Und dazu
auch meine Frage an Sie: Mache ich mir etwas vor, wenn ich davon ausgehe,
daß ich beim Schreiben alles nur aus mir herausfließen lassen muß, um ein
gutes Buch zu schaffen? Vielleicht brauchen gute Bücher mehr Disziplin, mehr Korsett? Müssen mehr konstruiert werden? Nicht nur
herausgelassen? Ich möchte gerne einen Roman schreiben, einen Fantasy-Roman mit Tiefgang, eine eher traurige, melancholische Geschichte. Mein Problem ist dann aber die Sprache. Da kann ich ja dann all die irren Wörter nicht mehr benutzen, weil sie ganz einfach nicht passen. Dadurch habe ich immer das Gefühl, dass das nicht richtig gut ist, dass mein individueller Stil dabei abhanden kommt. Aber ein anderes Genre erfordert doch wohl eine andere Ausdrucksweise?! Haben Sie vielleicht eine Idee, wie ich mit diesem Problem umgehen könnte? Ich habe das Gefühl, zunehmend schlechter zu werden. Vielleicht mach ich mir ja nur zu viel Druck. Meine allererste Geschichte hat gleich einen (winzigen) Wettbewerb gewonnen. Seitdem ist immer der Gedanke da: Jede Seite muss ein Hammer sein. Stimmt es, dass viele Erstlingsautoren an der Ich-Form gescheitert sind und ist es wirklich besser eine andere Form zu benutzen? Warum ist eigentlich das Präsens so ungewollt? Ich gehe schon seit über einem Jahrzehnt mit einer "großen Idee" schwanger, sammle Ideen dazu, baue das immer weiter aus. Aber es ist das erste große Werk, das ich schreibe; vorher gab es nur ein paar Kurzgeschichten. Da die Faustregel besagt, dass der erste Roman Mist ist, sollte ich dieses große Projekt erst einmal auf Eis legen und ein anderes (oder ein paar) zum "Warmwerden" schreiben? Oder denke ich da zu technisch? Ich habe mit einem Manuskript begonnen und bisher erst fünf Seiten geschrieben (das ist wahrhaftig nicht viel). Aber schon jetzt zweifle ich sehr stark an meinem Stil. Ich kann es einfach nicht beurteilen, ob das gut ist, was ich da zu Papier gebracht habe, oder nicht, selbst wenn ich das Geschriebene hinterher zehnmal durchlese. Ich habe das Gefühl, dass ich irgendeinen Fehler mache, wenn ich die Kapitel wechsle. In dem Moment mache ich so einen harten
Schnitt in der Handlung, dass es die ganze Spannung irgendwie zerreißt. Ich wollte aber unbedingt einen zeitlichen Schnitt machen, weil in dieser Zeit rein gar nichts passiert, außer eben der Hochzeit, die ich aber gar nicht näher beschreiben will. Wie kann ich so einen harten Schnitt vermeiden? Wieviel Sätze haben das elektronische Kurzzeitgedächtnis des Rechners nicht verlassen, indem sie beimm Schreiben noch
umformuliert wurden? Wieviel Sätze haben ihr Leben auf verworfenen Manuskriptseiten in einem Altpapierrecyclinghof oder Kaminfeuer bescheiden müssen? Wenn jemand zum Beispiel keinerlei Fähigkeiten hat, im Kopf zu formulieren (geht das?), und er also so etwa 15 mal den Text neu durch den Drucker quält, und da ist jemand, der die ersten 70-80% schon im Kopf rumdrehen kann, und nur noch einige Worte oder Sätze umstellt und anders formuliert... Der eine ist eher professionell zu nennen, oder geübter, fähiger...? Ich schreibe einen Roman, habe dabei keinerlei Ahnung, wie es am nächsten Tag weitergeht, aber mir fällt immer etwas ein, als wäre es
vorgezeichnet. Ich komme auf einen Durchschnitt von ungefähr fünf Seiten pro Tag (in jeweils etwa 2 Stunden). Danach geht mir sowohl Puste als auch Ideen aus, aber am nächsten Tag ist alles wieder wunderbar. Außerdem widerspreche ich dabei 90% aller mir bekannten "Regeln" zum Schreiben, zeichne keine Kapitel vor, plane keinen Plot, folge nur einem inneren Trieb, der die Geschichte vorzeichnet und
meinem Schreib- und Stilgefühl. Ich habe Angst, in meiner Geschichte zu viele Standardklischees zu bedienen. Von der "Stilfibel" habe ich gelesen, dass es sich um ein eher älteres Werk
(fünfziger Jahre?) handelt. Gibt es hier etwas aktuelleres? Man wird mit hoher Literatur niemals hohe Auflagen erreichen, deshalb sollte man vielleicht versuchen, die naive Mittelmäßigkeit beim Schreiben zu erreichen, die die Masse anspricht! Glauben Sie, dass man (frau) einen guten Roman nur "nach Gefühl" schreiben kann? Ich wechsle in meinem Roman öfters zwischen zwei Arten der wörtlichen Rede. Ich gebe Ihnen hierfür zwei Beispiele.
1. Ob man das wohl grammatikalisch so machen könnte, dachte er sich.
2. "Ob ich das wohl grammatikalisch so anwenden kann", dachte er sich. Oder z.B. dieser Satz:
Ich weiß nicht mehr wann es war, aber eines Tages schoss mir die Frage in
den Kopf, ob das nun alles wäre.
Ich bin mir einfach nicht sicher, ob da ein Fragezeichen hingehört. Kann ich diese beiden Varianten in einem Roman mischen, oder sollte ich mich
besser für nur eine Art der wörtlichen Rede entscheiden? Und wenn, welche Variante wäre empfehlenswerter? Was ist gegen die "allwissende Erzählperspektive" eigentlich einzuwenden? Der Autor, der mir da als Gegenbeispiel vorschwebt, nämlich Friedrich Ani, hat soeben den Deutschen Krimipreis gewonnen, wird in einem Atemzug mit Henning Mankell genannt, und eine Schweizer Zeitung hat das von mir gelesene Buch als einzigen deutschsprachigen Titel in die Liste der zehn besten Krimis des Jahrzehnts aufgenommen. Also so schlecht kann dieser Autor nicht sein. Wissen Sie was mein Problem ist? Ich zweifel verdammt daran, ob das auch nur im kleinsten Ansatz gut ist, was ich da schreibe. Überall liest man, dass man die "bösen" Abjektive meiden soll, aber nirgends wird näher darauf eingegangen wieso bzw. wie. Wie soll ich etwas weiches beschreiben, ohne ein Adjektiv zu verwenden? Ich habe eine praktische handwerkliche Frage: nachdem ich das fertige Manuskript eingereicht hatte, hat mir die Lektorin auf jede Seite mindestens drei mal ein rotes P gemalt - damit meinte sie "Perspektive". Sie kritisierte, dass in einer Szene mehrfach die Perspektive gewechselt wurde und der Erzähler in verschiedene Köpfe hineingucken konnte.
Zum Beispiel: X hatte Angst, Y könnte jeden Moment eine Waffe ziehen. (...) Y war nervöser, als man es ihm ansehen konnte.
Dies sei nicht möglich, in einer Szene dürfe der Leser nur die Gedanken einer Hauptfigur kennen. Sie kritisierte immer wieder den allwissenden Erzählstil. Aber ich frage mich bis heute: Was ist so verboten einem allwissenden Erzähler? Und seitdem ich daraufhin andere (Kriminal-) Romane aufmerksam lese, stelle ich fest, dass viele Autoren innerhalb einer Szene in mehrere Köpfe hineinschauen. Und als Leser hat mich das noch nie gestört. Ist das eine Marotte einer Lektorin, der ich machtlos ausgeliefert bin? Wann lohnen sich Prolog und Epilog? Nun habe ich mir schon einige Bücher zum Thema "Schreiben" besorgt, habe an zwei wirklich guten Schreibworkshops teilgenommen - nur mein Problem, zu schnell und häufig viel zu oberflächlich zu schreiben, habe ich leider noch immer nicht in den Griff bekommen. Haben Sie vielleicht einen "Geheimtipp", dieses Übel auszumerzen? Ich habe das recht weit geschriebene erste Kapitel beiseite gelegt und mit einer ganz anderen Geschichte begonnen. Der erste Versuch schien mir auf einmal viel zu banal. Wer sollte sich für so eine Geschichte interessieren? Der zweite Wurf schien mir dann mit einem Male viel zu reißerisch. Angenommen eine Gruppe von Rebellen plant einen Anschlag. Bei diesem Anschlag ist Zeit ein wichtiger Faktor. Den Anschlag können
sie nicht durchführen, weil sie während den Vorbereitungen einen Verkehrsunfall erleiden und so zu viel Zeit verlieren. Die Sache muss abgeblasen werden. Wenn dies, was ich jetzt beschrieben habe, eine Schlüsselszene oder ein Wendepunkt in der Geschichte ist und noch viele Folgen haben wird für die Protagonisten, kann ich den Auftritt der Polizei an der Unfallstelle, eine logische Konsequenz des Unfalls, nicht einfach weglassen. Andererseits interessieren mich die Dialoge, die mit der Polizei zu führen sind, als Schriftsteller nicht - sie langweilen mich sogar. Wie kann man z.B. diese Polizei-Szene umgehen, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren? Bei Unterhaltungsliteratur gibt man sich oft gar nicht die Mühe, etwas Vernünftiges zu produzieren. Da werden Bücher veröffentlicht (von fast allen Verlagen und in allen Genres), deren Geschichten so lieblos dahingeschmiert oder konstruiert scheinen, so voller falscher Bilder und sonstiger Fehler sind, dass man sich als Leser brüskiert fühlt. Ist der Grund dafür darin zu suchen, dass die Unterhaltungsliteratur zwar als Geldbringer geschätzt wird, aber ansonsten eben nicht? Im Autorenjahrbuch 2000/2001 schrieb Martin Walser einen hochinteressanten Text über den ersten Satz - den Einstieg in Geschichte und Stil. Dieser Satz ist die erste Begegnung zwischen Leser und Autor. Und das macht die Sache so immens schwer, schließlich wollen wir auf den anderen einen besonders guten ersten Eindruck machen. Das ist wie bei einer besonders wichtigen Verabredung
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