Die Handlung eines Romans mit Hilfe von kleinen Karteikarten zu entwickeln, die man hin- und herschiebt, bis man das Gefühl hat, daß alles am richtigen Platz ist, ist eine alte Technik, die seit jeher von vielen Schriftstellern benutzt wurde. Ihr einziger Nachteil ist, daß man dabei ständig gegen Begrenzungen materieller Art zu kämpfen hat: Der Tisch ist nicht groß genug, die Pinnwand auch nicht, die Karten sind zu klein für alle Notizen, und im entscheidenden Moment hat man ohnehin nicht genügend davon zur Hand.
Das Programm StoryLines beruht auf genau diesem Konzept, nur daß es die genannten Begrenzungen aufhebt und einem zudem erspart, am Ende alle Notizen noch einmal abzuschreiben, zum Beispiel um ein Exposé zu erstellen. Der Umgang mit dem Programm ist einfach und intuitiv einleuchtend: Man erstellt mehrere Handlungsstränge, auf denen man die per Mausklick erzeugten Karten anordnet, umherschiebt, umsortiert. Die Karten können mit kurzen Notizen zum Inhalt der Szene beschriftet werden, auf einer zweiten Ebene kann man außerdem noch beliebigen Text zum Inhalt hinterlegen - Dialoge, Handlungselemente oder was auch immer. Das ist alles so einfach, daß man das Programm bald vergessen hat und sich völlig auf seine Geschichte konzentrieren kann. Mit anderen Worten, ein Programm, wie es sein sollte, wie es aber wenige sind.
Man kann die Software unter www.writerscafe.co.uk downloaden. Die unregistrierte Version erlaubt das Anlegen von fünf Handlungssträngen und bis zu 30 Karten, ist ansonsten aber voll funktionsfähig. Das reicht für Kurzgeschichten und auf jeden Fall, um sich ein Bild davon zu machen, ob einem das Programm etwas nutzt. Die Registrierung geht online, funktioniert einfach und sicher und ist mit (wahlweise) 69 € oder 69 US-$ erschwinglich. Alle Updates, verspricht der Programmautor, sind kostenlos.
Letzteres ist nicht ganz unbedeutend, denn es sind seit Ende Januar 2003, als ich meine Version erworben habe, bis heute (Juni 2003) nicht weniger als zwölf neue Versionen erschienen. Nicht zuletzt, weil ich sofort mit dem Autor des Programmes Kontakt aufgenommen und ihn mit Lob und Verbesserungsideen bombardiert habe, die er teilweise auch schon umgesetzt hat. Interessant vielleicht: er hat dieses Programm ursprünglich für seine Frau geschrieben, eine britische Autorin.