Andreas Eschbach
Die Haarteppichknüpfer
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Es war Garliad, die da stand mit ihrem enormen Bauch und einem dampfenden Teller in der Hand und wartete, bis er ihr mit einer ungeduldigen Handbewegung erlaubte, näherzutreten.

"Was fällt den anderen Frauen ein, dich arbeiten zu lassen in deinem Zustand?" knurrte er. "Willst du meine Tochter auf der Treppe gebären?"

"Ich fühle mich heute sehr gut, Ostvan", erwiderte Garliad.

"Wo ist mein Sohn?"

Sie zögerte. "Ich weiß es nicht."

"Dann kann ich es mir schon denken!" schnaubte Ostvan. "In der Stadt! In dieser Schule! Bücher lesen, bis ihm die Augen wehtun, und sich Flausen in den Kopf setzen lassen!"

"Er hat versucht, die Heizung zu reparieren, und ging dann fort, um irgendein Teil zu besorgen, wie er sagte."

Ostvan stemmte sich von seinem Schemel hoch und nahm ihr den Teller aus den Händen. "Ich verfluche den Tag, an dem ich zuließ, daß er in diese Schule in der Stadt geht. Hat Gott es bis dahin nicht gut mit mir gemeint? Hat er mir nicht fünf Töchter geschenkt und dann erst einen Sohn, so daß ich kein Kind töten mußte? Und haben meine Töchter und Frauen nicht Haare in allen Farben, so daß ich überhaupt nicht färben muß und einen Teppich knüpfen kann, der einst des Kaisers würdig sein wird? Warum will es mir nicht gelingen, aus meinem Sohn einen guten Teppichknüpfer zu machen, damit ich einmal meinen Platz finde neben Gott und ihm helfen darf, am großen Teppich des Lebens zu knüpfen?"

"Du haderst mit deinem Schicksal, Ostvan."

"Soll man nicht hadern mit so einem Sohn? Ich weiß schon, warum nicht seine Mutter mir das Essen bringt."

"Ich soll dich um Geld bitten für die Händlerin", sagte Garliad.

"Geld! Immer nur Geld!" Ostvan stellte den Teller auf das Fensterbrett und schlurfte zu einer stahlbeschlagenen Truhe, die geschmückt war mit einer Photographie des Teppichs, den sein Vater geknüpft hatte. Darin lag das Geld, das vom Verkauf des Teppichs noch übrig war, verpackt in einzelne Schachteln, auf denen Jahreszahlen standen. Er nahm eine Münze heraus. "Nimm. Aber denk daran, daß das hier noch den Rest unseres Lebens reichen muß."

"Ja, Ostvan."

"Und wenn Abron zurückkommt, schickt ihn sofort zu mir."

"Ja, Ostvan." Sie ging.


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