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noten um Knoten, tagein, tagaus, ein Leben lang, immer die
gleichen Handbewegungen, immer die gleichen Knoten in das feine
Haar schlingend, so fein und winzig, daß die Finger zittrig
wurden mit der Zeit und die Augen schwach von der Anstrengung
des Sehens - und die Fortschritte waren kaum zu merken; wenn er
gut vorankam, entstand in einem Tag ein neues Stück seines
Teppichs, das vielleicht so groß war wie sein Fingernagel. So
hockte er an dem knarrenden Knüpfrahmen, an dem schon sein Vater
gesessen war und vor ihm dessen Vater, in der gleichen gebeugten
Haltung, die alte, halbblinde Vergrößerungslinse vor den Augen,
die Arme auf das abgewetzte Brustbrett gestützt und nur mit den
Fingerspitzen die Knotennadel führend. So knüpfte er Knoten um
Knoten in der seit Generationen überlieferten Weise, bis er in
einen Trancezustand geriet, in dem ihm wohl war; sein Rücken
hörte auf zu schmerzen, und er spürte das Alter nicht mehr, das
ihm in den Knochen saß. Er lauschte auf die vielfältigen
Geräusche des Hauses, das der Großvater seines Urgroßvaters
erbaut hatte - den Wind, der ewig gleich über das Dach strich
und sich in offenen Fenstern fing, das Klappern von Geschirr und
die Gespräche seiner Frauen und Töchter unten in der Küche. Jedes
Geräusch war ihm vertraut. Er hörte die Stimme der Weisen Frau
heraus, die seit einigen Tagen im Haus lebte, weil Garliad, seine
Nebenfrau, ihre Niederkunft erwartete. Er hörte die halbstumme
Türglocke scheppern, dann ging die Haustür, und Aufregung kam in
das Gemurmel der Gespräche. Das war wahrscheinlich die Händlerin,
die heute kommen sollte mit Lebensmitteln, Stoffen und anderen
Dingen.
Dann knarzten schwerfällige Schritte die Treppe zum
Knüpfzimmer empor. Das mußte eine der Frauen sein, die ihm das
Mittagessen brachte. Unten würden sie jetzt die Händlerin an den
Tisch einladen, um den neuesten Klatsch zu erfahren und sich
irgendwelchen Tand aufschwatzen zu lassen. Er seufzte, zog den
Knoten fest, an dem er gerade war, setzte die Vergrößerungslinse
ab und drehte sich um.
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