Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach

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Andreas Eschbach
D i e   b e s t e   S o f t w a r e   f ü r   S c h r i f t s t e l l e r

 

 

Vor vielen Jahren wollte ein Philosoph gern seine diversen Notizen, Stichworte, Artikel, Abhandlungen usw. anstatt in Karteikästen, Aktenordnern und Schnellheftern in einem PC verwalten. Er probierte allerhand Datenbankprogramme aus, doch die waren alle viel zu starr, viel zu kompliziert, viel zu spröde für seine Bedürfnisse. (Kein Wunder, denn normale Datenbanksysteme zielen auf kommerzielle Anwender, nicht auf Geistesarbeiter.) Schließlich hatte er die Nase voll, ging hin und ließ sich von einem Programmierer ein Programm entwickeln, das genau das machte, was er brauchte. Nicht mehr und nicht weniger. Und als er es einigen Kollegen zeigte, bekamen die ganz gierige Augen und wollten es auch haben, es folgten Informationssammler aus anderen Fakultäten, Historiker, Theologen, Journalisten, Schriftsteller... und so gründete er schließlich eine Firma und vermarktete das Programm unter dem Namen askSam.

Das war noch in der guten alten DOS-Zeit. Heute gibt es askSam immer noch, es ist inzwischen natürlich ein Windows-Programm, und es ist vermutlich die unbekannteste weltweit eingesetzte Software auf diesem Planeten. Darauf aufmerksam gemacht wurde ich von einem Journalisten, der gerne ein Buch darüber schreiben würde, wie man mit askSam geistige Arbeit organisiert und unterstützt, der aber keinen Verlag dafür findet, weil die das Programm alle auch nicht kennen. Wenn er es ihnen zeigt, sind alle begeistert und sagen, "wir würden gerne das Programm haben, und Ihr Buch würden wir uns auch sofort ins Regal stellen - bloß: es zu verkaufen, das trauen wir uns nicht zu."

Es ist auch kein Wunder, daß askSam so unbekannt ist. Erstens richtet es sich an eine sehr spezielle Zielgruppe: Grob umrissen alle diejenigen, die früher mit Zettelkästen gearbeitet haben - Sammler von Informationen, Texten, Formulierungen, Listen, Aufschrieben, Zeitungsartikeln usw. Zweitens hat die Firma in Sachen Marketing, vorsichtig ausgedrückt, einfach nichts drauf. Und drittens hat askSam den Nachteil, ein Zwitter zu sein, der so recht in keine Schublade passen will. In Computerzeitschriften wird das Programm selten erwähnt, und wenn, dann nur im Zusammenhang mit Programmen wie dBASE, ACCESS und dergleichen, was ungefähr so sinnvoll ist, als würde man ein Sportflugzeug zusammen mit Sportcabrios einem Fahrtest unterziehen: Daß das Flugzeug dazu gedacht ist, zu fliegen, käme dabei nicht einmal zur Sprache.

Was also ist askSam eigentlich? Ein Informationssammeltool. Einfach gesagt, ist es ein Programm, in das man Texte jedweder Art hineinstopfen kann und das sie einem wieder heraussucht, wenn man sie braucht. Das Besondere ist, daß ein Datensatz beliebig groß sein kann - ob ein einziges Wort oder der komplette Inhalt eines Buches, spielt keine Rolle. Auch die Datei selber kann praktisch so groß werden, wie sie will (die theoretische Maximalgröße von 16 Terabyte ist auch angesichts der heute üblichen Festplatten nur theoretisch). Es gibt auch keine vorgegebene Struktur, die man zwingend einhalten müßte: Jeder Datensatz kann sich von allen anderen unterscheiden. Und trotzdem wird alles wiedergefunden, weil askSam die schnellsten und ausgefeiltesten Suchfunktionen hat, die mir je bei einem Programm begegnet sind. Das macht es zum idealen Werkzeug für die Recherche-Arbeit.

Nun stehen da nicht einfach lauter Texte hintereinander (obwohl man das auch machen kann), vielmehr hat man die Möglichkeit, Eingabemasken mit Eingabefeldern zu definieren - entweder im voraus oder ad hoc, und man kann auch in ein und derselben Datei jede Menge verschiedener Eingabemasken mischen. Eine Eigenschaft, die für mich als altgedientem Datenbänker zuerst extrem gewöhnungsbedürftig war, die ich inzwischen aber genial finde. Selbstredend kann man dann auf die Datenfelder gezielt zugreifen, danach sortieren, filtern usw. usf. askSam verwendet einen Volltextindex, der blitzschnelle Suchvorgänge ermöglicht. Hunderte von Megabytes und tausende von Dokumenten werden innerhalb weniger Sekunden durchsucht. Man muß das gesehen haben, um es zu glauben.

Dabei dreht sich alles um Texte. Meine Buchhaltung würde ich nicht damit machen wollen. Trotz mannigfacher Funktionen ist askSam keine auch nur annähernd relationale Datenbank und mit Produkten wie Microsoft ACCESS, ORACLE oder dergleichen überhaupt nicht vergleichbar. Es will etwas ganz anderes - und das kann es auch.

So kann man mit einem Hyperlink einzelne Wörter oder einen ganzen Textteil mit einer Information an einer beliebigen anderen Stelle verbinden und so ein eigenes Verweissystem schaffen. Ein Mausklick auf einen Hyperlink führt von einem Dokument zu einem anderen, springt in eine andere Datenbank, führt einen beliebigen Menübefehl aus oder ruft direkt eine bestimmten Website auf. Man kann fast die ganze Tastatur mit Funktionen so belegen, wie man es haben möchte oder gewohnt ist. - Die diesbezüglichen Möglichkeiten sind enorm, und ich habe erst angefangen, sie zu erforschen.

Um diesbezüglich keinen Illusionen Vorschub zu leisten, will ich die nachteiligen Aspekte nicht unerwähnt lassen:

  • askSam ist keineswegs ein Wunderwerk an Benutzerfreundlichkeit. Im Gegenteil, in manchen Dingen ist es störrisch wie ein alter Esel, und manchmal muß man es regelrecht austricksen. Manche Dinge (Textformatierungen zum Beispiel) werden dickköpfig anders (aber keineswegs besser) gehandhabt als ansonsten in der PC-Welt üblich.
  • Der Umgang mit dem Programm ist nicht leicht zu erlernen. Die ersten Schritte schon: Da funktioniert alles so, wie man es von einer Textverarbeitung her gewöhnt ist. Und Suchen ist auch einfach. Bloß wenn man dann einen Gang höher schalten will, mit Feldern, Reports und dergleichen seine Produktivität auf Touren bringen will, dann wäre es ganz gut, einen Schwarzgurtträger an seiner Seite zu haben.
  • Das Handbuch hilft einem auch nicht weiter. Es ist ein lustlos daherkommendes Standard-Handbuch, das eben alle Funktionen erklärt und bebildert, aber einem nicht den Hauch einer Ahnung davon vermittelt, was mit dem Programm alles möglich ist.
  • askSam ist schweineteuer. Man zahlt um die 500 Euro für eine Einzelplatzversion.
  • Ästhetisch ansprechend kommt es auch nicht daher. Der Bildschirm sieht aus wie Kraut und Rüben.
  • Es gibt zwar viele Importfilter, aber etliche liefern völlig inakzeptable Ergebnisse. Darunter einige wesentliche Formate, etwa der Import aus HTML-Files, der praktisch nur Müll liefert. (Ich behelfe mir grummelnd mit den Cut&Paste-Funktionen.)

Doch trotz allem bin ich inzwischen durchs Gröbste durch und möchte das Programm nicht mehr missen. Meine Datenbank ist schon 84 MB groß, Tendenz: rasch zunehmend, ein wildes Sammelsurium von Materialien aus dem Internet, Texten aller Art, Recherchen für künftige Romane. Wäre das alles in Ordnern, ich hätte längst jeden Überblick verloren. Doch so brauche ich nur ein Stichwort einzugeben, um alles wiederzufinden, in Sekundenschnelle. Ein paar Mausklicks, und ich habe eine Übersichtsliste am Schirm, aus der jeder Eintrag direkt zum Originaldokument führt. Der alte Microsoft-Slogan "Information at your fingertips", der auf Microsoft-Programme nie zutraf: Hier trifft er zu. Genau das leistet askSam.

Aber, wie gesagt, es ist ein Profi-Werkzeug und nicht ganz billig. Wer es sich mal anschauen mag, kann sich auf www.asksam.de eine auf 30 Tage Laufzeit beschränkte, ansonsten voll funktionsfähige Demoversion herunterladen. (Wichtiger Tipp: In den Optionen die Funktion "Automatischer Seitenumbruch" auf NEIN stellen - die funktioniert nämlich nicht richtig und bricht statt nach jeder Seite nach jeder Zeile um! Abgesehen davon ist sie ohnehin entbehrlich.)

Nachtrag 2. April 2005:
Auf besagter Website befindet sich auch ein Zugang zu einem deutschsprachigen Anwenderforum, wo man unter anderem eine Datei mit Tipps herunterladen kann, die ein begeisterter Anwender zusammengestellt hat. Sie heißt memo5.ask.


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