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August 2006

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Romanmanufaktur Eschbach & Eschbach

Nun hat meine Gattin auch einen Roman veröffentlicht. Und das Erste, das man mich daraufhin fragt: Ob ich die Konkurrenz aus dem eigenen Hause fürchte?

Ich glaube, es ist angebracht, daß ich von vornherein ein paar Dinge klarstelle.

Zunächst mal: Die meisten Schriftsteller, die ich kenne, sind mit Partnern zusammen, die nicht schreiben, und die meisten von ihnen leiden darunter. Denn als sei das Schreiben nicht schon schwierig genug, sehen sie sich oft auch noch einer Haltung gegenüber, die mehr oder weniger unausgesprochen sagt: "Kannst du nicht was Ordentliches machen?" oder "Wenn du schon freie Zeit hast, warum verbringst du sie nicht wenigstens mit mir?" oder gar, wenn der erhoffte Erfolg auf sich warten läßt: "Sieh's doch endlich ein!" Andere Autoren haben Partner, die dahin gelangt sind, zu akzeptieren, daß das Schreiben für den anderen wichtig, ja unabdingbar ist (was erleichtert wird, falls aus dem Schreiben eine nennenswerte Einnahmequelle wird) - doch akzeptieren ist noch lange nicht das Gleiche wie verstehen...

Deswegen betrachte ich es als ausgesprochenen persönlichen Glücksfall, mit einer Frau zusammen zu sein, die selber schreibt. Wir sind sozusagen unsere eigene kleine Autorengruppe. Da Marianne außerdem völlig anders arbeitet als ich, geht uns der Gesprächsstoff nie aus.

Aber ich habe ihr doch bestimmt Tür und Tor geöffnet bei Agenten und Verlagen, oder? Weiß man doch: Beziehungen sind heutzutage alles. Oder?

Ha.

Also, ganz ehrlich: Das hätte ich natürlich liebend gern. Tür und Tor geöffnet und den roten Teppich ausgerollt noch dazu. Bloß - so läuft das nicht in dem Geschäft. Sie sind der Ehepartner eines Schriftstellers? Das beeindruckt in der Verlagswelt keinen Menschen. Im Gegenteil, ich habe den Eindruck, damit weckt man eher Vorbehalte. So blieb auch Frau Marianne Eschbach die übliche Ochsentour mit jeder Menge mehr oder minder freundlicher Ablehnungen nicht erspart, bis sich endlich ein Verlag für das Manuskript interessierte - für mich ein ausgesprochenes Déja-vu-Erlebnis.

Aber das Schreiben, das hat sie doch bestimmt von mir gelernt?

Da Marianne schon geschrieben hat, als wir uns noch gar nicht kannten, lautet die Antwort hierauf logischerweise eindeutig "Nein". Wie das geht, hat sie schon ganz alleine herausgefunden.

Natürlich ist es heute so, daß wir uns über das Schreiben austauschen, unsere Themen und aktuellen Probleme und so weiter diskutieren, um dabei aber immer wieder festzustellen, wie unterschiedliche Herangehensweisen wir haben. Mal ganz abgesehen von unseren unterschiedlichen Vorlieben, was Genres und Autoren anbelangt. Und ich gucke mir mir mindestens so viel bei ihr ab wie sie sich bei mir.

Ja, und wie finde ich das Buch denn nun?

Endlich eine vernünftige Frage! Die Antwort darauf lautet: Gut! Und das, obwohl es nicht mein Genre ist.

Ich habe das Manuskript von "Mirandas Traum", wie man sich vorstellen kann, in vielen verschiedenen Fassungen gelesen. Die endgültige Fassung kannte ich aber noch nicht, deswegen habe das fertige Buch gleich nochmal gelesen. Und was soll ich sagen? Es gefiel mir noch immer, ja, sogar noch besser.

"Mirandas Traum" ist ein Buch, das all jenen gefallen wird, die auch die Bücher von Michael Ende mögen. Wobei ich, wie ich gestehen muß, noch nie so der große Ende-Fan war, im Gegensatz zu Marianne, die ihn ohne Zögern als einen ihrer großen literarischen Einflüsse nennt. Ich habe zwar, wie wohl die meisten, "Die unendliche Geschichte" gelesen und "Momo" und noch ein paar mehr, aber sonderlich berührt haben sie mich, offen gesagt, nie. Im Vergleich damit gefällt mir Mariannes Buch wesentlich besser. Es ist spannend, sprüht nur so vor Ideen (aus dem, was an Ideen in diesem Buch steckt, bestreiten manche Autoren ganze Karrieren) und ist vor allem klug. Und es hat eine Auflösung, die mich verblüffte, und mir gefallen nun mal Bücher, die das tun. Marianne mag diesen Roman unter dem Einfluß von Michael Ende geschrieben haben, aber sie schreibt besser als er. Sage ich jetzt einfach mal in aller Voreingenommenheit.

Wobei in "Mirandas Traum" vor allem ihre ausgeprägte Begabung zur Geltung kommt, Bilder und Symbole zu erschaffen, die einen auf einer tiefen Ebene berühren. Ich kenne sonst niemanden, der einen so guten Blick für die Tiefenstruktur von Geschichten hat, für das, was eine Geschichte eigentlich sagt, will, tut. Diese ganzen Bücher über die mythologischen Strukturen in Geschichten, die braucht Marianne nicht – die könnte sie selber schreiben!

Dazuhin ist es auch von der Gestaltung ein sehr schönes Buch geworden. Sowohl Klappentext als auch Covergestaltung bringen das, worum es in dem Buch geht, wunderbar auf den Punkt, was ja bei Buchneuerscheinungen alles andere als die Regel ist. Für 12,95 € erhält man ein Buch, das richtig was hermacht.

Ach ja, ich habe Marianne gefragt, ob ich ein Foto von ihr hierher stellen soll. "Nein", meinte sie. "Es reicht, daß im Buch eins drin ist. Wer wissen will, wie ich aussehe, kann ja da nachschauen."

Habe ich jetzt eigentlich ein bißchen arg viele Links auf die Beschreibung ihres Buches gesetzt? Möglich.

Ich bin nämlich, ehrlich gesagt, ziemlich stolz auf sie.


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