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November 2004

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UTOPIALES 2004

Mittlerweile das zweite Mal, daß ich zum UTOPIA-Festival bequem mit dem Auto anreisen konnte, was natürlich weitaus streßfreier ist als die frühere 12-13stündige Zugfahrt von Stuttgart aus. Auch sonst muß man sich seinen Streß mittlerweile selber machen (die meisten bevorzugen die Methode, bis in die Morgenstunden in rauchigen Bars herumzusitzen und zuviel Alkohol zu sich zu nehmen), denn mittlerweile ist die Organisation des Festivals so eingespielt, daß die ganzen Details, auf die es ankommt, einfach funktionieren. Der Zuspruch des allgemeinen Publikums war diesmal zwar nicht ganz so stark wie die letzten Jahre - da war es an den Samstagen teilweise brechend voll -; dennoch spielte sich das Ganze wie immer auf einem Level ab, das Veranstaltern von Cons in anderen Ländern die Tränen in die Augen treiben muss.

Ehrengast und UTOPIA-Preisträger war dieses Jahr Michael Moorcock, der sich, gemächlich mit Gehstock und Uhrkette über der Anzugsweste einherschreitend, mit sichtlichem Behagen feiern ließ. Beherrschendes Thema dagegen war - wie könnte es anders sein - die amerikanische Präsidentenwahl: Die angereisten US-amerikanischen Schriftsteller, die diesmal alle auf den letzten Drücker angereist waren, um noch ihre Stimme abgeben zu können, trugen am Eröffnungsabend allesamt Kerry-Buttons und bedrückte Mienen zur Schau und sahen sich außerstande, zwischen Jet-Lag und Wahlkater zu unterscheiden. Da Amerikaner aber bekanntlich grundsätzlich optimistisch veranlagt sind, war auch das nicht imstande, die Stimmung auf dem Festival nachhaltig zu beeinträchtigen.

Für mich war es über weite Strecken hinweg ein Treffen der deutschsprachigen SF-Autoren: Michael Marrak und Marcus Hammerschmitt waren mal wieder, der Wiener Leo Lukas, einer meiner Lieblingsautoren bei Perry Rhodan, erstmals nach Nantes eingeladen. So bildete sich öfter mal ein deutscher Tisch bei einer der (natürlich zahlreichen und üppigen, wir sind in Frankreich) Mahlzeiten im Kongreßrestaurant, und wir haben uns ganz gut verstanden und hatten auch viel zu bereden.

Ich muß auch gestehen, daß es erholsam ist, auf einem solchen Festival von Zeit zu Zeit ein paar Worte auf Deutsch wechseln zu können. Zwar habe ich viele Komplimente von Franzosen bekommen, daß mein Französisch schon viel besser sei, aber erstens ist besser was anderes als gut, und zweitens sind Franzosen in solchen Werturteilen sehr großzügig: Schon für das erkennbare Bemühen gibt es jede Menge Punkte gutgeschrieben. Aber es ermutigt natürlich, das zu hören, und tatsächlich war dies das erste Festival, bei dem ich auf die Kopfhörer mit den Übersetzungen verzichten konnte. Einen Programmpunkt - die Vorstellung meiner europäischen SF-Antholologie "Eine Trillion Euro" - habe ich sogar auf Französisch versucht; angesichts manch fragend dreinblickender Gesichter im Publikum bestritt ich meine zweite Podiumsdiskussion dann doch lieber wieder auf Englisch. Immerhin, ein Anfang ist gemacht.

Immer wieder platt bin ich, was Patrick Gyger, der Leiter des Maison d'Ailleurs in Yverdon und künstlerischer Direktor des UTOPIA-Festivals, jedes Jahr aufs Neue an SF-Kunst nach Nantes bringt. Man möchte meinen, daß da irgendwann die Lager leer sein sollten, aber weit gefehlt: Die Ausstellungen an Bildern, Objekten, Computergrafiken und so weiter war auch dieses Jahr wieder umwerfend und wie aus dem Vollen geschöpft.

Natürlich habe ich wieder viel zu wenige der Filme sehen können, die gezeigt wurden; etliche gute verpaßt... Kurzum: Auch dieses Jahr war das Programm des Festivals so interessant, daß ich wieder nicht zu einem längeren Stadtbummel durch das schöne Nantes gekommen bin. Dabei wäre das Wetter ideal gewesen, ein frischer, aber sonniger Spätherbst.

Zum Glück ist Nantes jetzt ja nicht mehr so weit, daß man nicht mal eigens dafür hinfahren könnte...


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