 


Kaiserin Elisabeth, am Sonntag 24.12.1837 in München geboren, wuchs in eher
bürgerlich-liberaler Naturverbundenheit auf, las wie die Eltern viel und dichtete
1853/55, 1885-1889 auch. Am intriganten Wiener Hof litt sie nicht nur am Spanisch
(-burgundischen) Hofzeremoniell und der stets konträren bevormundenden Schwiegermutter,
sondern auch an der Ausstattung (baden galt als plebejisch). Nachdem sie mit 21 bereits
dreimal ihrer Gebärpflicht nachgekommen war (wobei die Kindererziehung durch Vertraute
der Schwiegermutter erfolgte), begann sie immer stärker ihre eigene Persönlichkeit zu
entwickeln. Mit ihrer intensiven intellektuellen Betätigung (lesen, dichten,
Fremdsprachenstudium) und ihren Spitzensportleistungen (reiten im Damensattel,
Gymnastik, laufen, schwimmen) brach sie in männliche Domänen ein. Andererseits übererfüllte
sie die weiblichen Anforderungen durch einen gegen sich selbst unerbittlich durchgehaltenen
Schönheitskult, der (wie später Schirm und Fächer) ihren inneren Kosmos verbarg.
Statt der repräsentativen Herrscherkrone trug sie ihr diademartig geflochtenes Haar.
Reisen sollten stets ohne Zeremoniell verlaufen, aber Bildung und Tempo fördern.
Ihrer Vorliebe für Ungarn verdankte Kaiser Franz Joseph den Ausgleich und damit den
versöhnten Fortbestand seiner Regierung dort. Kaiserin Elisabeth umgab sich aber auch
sukzessive mit einem lediglich nach geistigen Vorzügen gewählten ungarischen Hofstaat.
Gödöllö, wo sie auch Ho-sen trug, wurde zu ihrer zweiten Residenz.
Sie schätzte Außenseiter wie Heinrich Heine und George Sand, empfand mythologische
Gestalten (Achill, Titania) und Tote als Seelenverwandte, liebte Griechenland, Bäume
(wie Erzherzog Ludwig Salvator, Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-d’Este, Ludwig II,
Carmen Sylva, George Sand), Meer (ließ sich bei Sturm wie Odysseus am Deck festbinden,
hatte einen Anker auf der Schulter eintätowiert), Berge, Pferde, Hunde, Delphine und Möwen.
Sie verabscheute Repräsentationen und Schminke, war wettergebräunt.
Die Monarchin forcierte ein neues Lebensmodel: die offene Ehe, wobei sie jedoch ihrem
Gemahl physisch immer treu blieb und sogar ihrer Schwester Marie zur Rückkehr in die Ehe riet.
Bei Schicksalsschlägen war sie stets präsent, besuchte Krankenhäuser, Lazarette,
Irrenanstalten und half einfachen Menschen materiell großzügig. Die lebenslange Maxime
ließ sie am 10. September 1898 auch nicht Julie Baronin Rothschilds Privatschiff wählen
(da den Bediensteten die Annahme von Trinkgeldern verboten war), sondern das öffentliche
Linienschiff.
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